Operation Morgendämmerung In Falludscha tobt der Häuserkampf

Amerikanische Soldaten rücken immer weiter in die irakische Rebellenhochburg Falludscha vor. Unterstützt von Artillerie und Kampfjets kämpfen sie sich Haus um Haus vor. Die US-Truppen trafen auf erbitterten Widerstand: Aufständische behaupten, sie hätten einen US-Kampfhubschrauber abgeschossen.



Falludscha - "Ich habe gesehen, wie eine Rakete einen Hubschrauber getroffen hat", sagte heute der Reuters-Reporter Fadel al-Badrani. "Überall war Rauch." Ob es Opfer gab, war zunächst nicht bekannt. Das US-Militär dementierte die Meldung.

Irakische Augenzeugen berichteten zudem, die Amerikaner und irakische Nationalgardisten seien etwa einen Kilometer weit in die Stadt vorgedrungen und lieferten sich nun heftige Straßenkämpfe mit den Aufständischen. Außerdem hätten die Amerikaner einen Bahnhof eingenommen.

Die US-Truppen hätten vier Raketen auf eine Behelfsklinik abgefeuert, sagte ein Augenzeuge. Dabei seien zahlreiche Menschen getötet oder verletzt worden. Die US-Marineinfanterie hatte in der Nacht zum Montag zu Beginn ihrer Offensive das Allgemeine Krankenhaus der westirakischen Stadt gestürmt. In einer Erklärung des US-Militärs hieß es dazu, das Krankenhaus sei den "Terroristen entrissen worden, die es vorher kontrolliert" hätten. Einwohner der Stadt berichteten, vor allem im Osten und Norden der Stadt seien fast ständig Explosionen zu hören. Sie sahen Kampfflugzeuge und US-Militärhubschrauber.

Die US-Armee nennt die Falludscha-Offensive "Operation Morgendämmerung". Nach Militärangaben wurden bereits mehr als 40 Rebellen getötet. Hunderte Häuser seien zerstört worden, sagte gestern Abend zudem ein Einwohner dem britischen Sender BBC. Es gebe inzwischen weder Strom noch Wasser, alle Telefonleitungen seien gekappt: "Falludscha ist die Hölle geworden." Der gesamte Nordteil der Stadt stehe in Flammen, im Zentrum der Stadt tobten die Kämpfe am heftigsten. Laut dem Augenzeugen leben in Falludscha noch etwa 100.000 Menschen. Nach Schätzungen der US-Streitkräfte haben sich dort bis zu 3000 Aufständische verschanzt, mehr als die Hälfte der ursprünglich 300.000 Einwohner soll geflüchtet sein.

US-Generalstabschef Richard Myers zeigte sich in Washington siegesgewiss: "Wir werden erfolgreich sein." Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General George Casey, sagte gestern Abend, die Offensive verlaufe nach Plan. Er gehe davon aus, dass sich die Rebellen in die Innenstadt zurückziehen und dort den Entscheidungskampf suchen werden.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in Washington, er rechne mit starkem Widerstand der Aufständischen. Er gehe aber nicht davon aus, dass bei den Kämpfen viele Zivilpersonen getötet würden, jedenfalls "bestimmt nicht von US-Truppen". Rumsfeld sagte, ein Erfolg in Falludscha werde einen schweren Schlag für die Rebellen und Terroristen im Irak und insgesamt für den internationalen Terrorismus darstellen. Es sei alles versucht worden, das Problem Falludscha politisch zu lösen, sagte Rumsfeld. Die Rebellen hätten jedoch "den Weg der Gewalt gewählt". Er könne sich kein Ende der Falludscha-Offensive vorstellen, bis das Problem völlig gelöst sei.

An dem Einsatz sind nach Militärangaben zwischen 10.000 und 15.000 US-Soldaten und zahlreiche irakische Kräfte beteiligt. Zwei US-Soldaten kamen gestern ums Leben, als ihr Bulldozer in den Euphrat stürzte.

Tote bei Anschlägen in Bagdad

Die US-Armee bereitet sich auf einen längeren Aufenthalt in Falludscha vor. Für eine gewisse Zeit sei eine Sicherheitspräsenz notwendig, bis irakische Sicherheitskräfte die Rückkehr von Aufständischen in die Stadt verhindern könnten, sagte Befehlshaber Casey.

Die wichtigste Aufgabe der Offensive sei es, Sicherheit vor den im Januar geplanten Wahlen im Irak zu schaffen, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Terroristen und Aufständische lehnten eine politische Lösung ab und versuchten Angst, Chaos und Zerstörung zu verbreiten. Die einzige Lösung sei deshalb, gegen diese Kräfte in die Offensive zu gehen. Ob sich der jordanische Topterrorist Abu Mussab al-Sarkawi in der westirakischen Stadt aufhält, ist nach Angaben des Pentagon-Chefs unklar.

Mit gezielten Schüssen haben US-Soldaten zwei offenbar mit Sprengsätzen bestückte Autos in der irakischen Stadt Ramadi zur Explosion gebracht. Dabei kamen gestern sieben Rebellen ums Leben, wie die US-Streitkräfte heute mitteilten. Fünf amerikanische Marineinfanteristen wurden verletzt. In Bakuba töteten Rebellen heute jüngsten Meldungen zufolge 45 Polizisten und mindestens 32 weitere Personen.

Bei einer Serie von Bombenanschlägen wurden gestern Abend in Bagdad mindestens acht Menschen getötet und Dutzende verletzt. Ziel der Attentate waren zwei Kirchen und ein Krankenhaus. Wie der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete, wurden bei dem Anschlag auf die Kirchen mindestens 3 Menschen getötet und 40 verletzt. Vor dem Krankenhaus starben fünf Polizisten. Zuvor waren bei der Detonation einer Autobombe an der Straße zum Flughafen zwei Iraker getötet worden.

Die USA hatten bereits im April eine Offensive gegen Aufständische in Falludscha gestartet. Damals hatten die irakischen Sicherheitskräfte die Teilnahme verweigert. Die US-Regierung bestätigte gestern, dass es auch diesmal Probleme mit Deserteuren gegeben habe. Die von den USA eingesetzte Falludscha-Brigade, die die Kontrolle nach dem Abzug der US-Armee ausüben sollte, hatte bis Juli wieder die Macht an Rebellengruppen verloren.

Mehr lesen über