Opfer-Entschädigung Libyen zahlt an Angehörige von Flugzeugattentat

Musterknabe Muammar al-Gaddafi: Nach der Ankündigung, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten, will der libysche Regierungschef jetzt auch die Angehörigen der Opfer des Anschlags auf ein französisches Flugzeug mit 170 Millionen Dollar entschädigen.


Muammar al-Gaddafi: Mehr Geld für Hinterbliebene des Flugzeugattentats
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Muammar al-Gaddafi: Mehr Geld für Hinterbliebene des Flugzeugattentats

Hamburg - Fünfzehn Jahre nach dem Bombenanschlag haben sich die Hinterbliebenen jetzt mit der libyschen Regierung auf die Höhe der Entschädigung geeinigt. Die Vereinbarung wurde mit Vertretern eines privaten libyschen Fonds unterzeichnet, der vom Sohn des libyschen Revolutionsführers geführt wird. Es ist geplant, dass Frankreich und Libyen noch eine Erklärung veröffentlichen, in der sie sich für den Ausbau ihrer Beziehungen aussprechen. "Die Vereinbarung zeigt, dass sich Libyen ändert, schon geändert hat", sagte Guillaume Denoix de Saint-Marc, einer der Vertreter der Angehörigen. Er hat bei dem Anschlag seinen Vater verloren.

Die Maschine der französischen Luftfahrtgesellschaft Uta war 1989 über der Stadt Niger durch eine Bombenexplosion zum Absturz gebracht worden. Dabei kamen 170 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 17 Ländern ums Leben. Die libysche Regierung hatte eine Beteiligung an dem Attentat immer zurückgewiesen.

Nach einer Vereinbarung vom Oktober 2002 hatte Libyen bereits insgesamt 34 Millionen Dollar Entschädigung für den Uta-Anschlag gezahlt. Seit die Regierung in Tripolis im letzten Jahr beschloss, wegen des Anschlags auf ein US-Flugzeug über dem schottischen Lockerbie 1988 fünf bis zehn Millionen Dollar pro Opfer zu zahlen, begann zwischen den Regierungen in Tripolis und Paris ein andauerndes Feilschen um weitere Zahlungen.

Libyscher Blick in die Zukunft

Heute konnte ein libyscher Offizieller endlich mitteilen: "Nichts kann die Beziehungen zwischen Frankreich und Libyen mehr beeinträchtigen. Libyen schaut jetzt in die Zukunft." Frankreich hatte verlangt, dass eine Einigung im Streit um die Entschädigung Teil einer Aussöhnung zwischen Libyen und dem Westen sein müsse.

Die Verhandlungen im Vorfeld der Übereinkunft gestalteten sich schwierig: Im September letzten Jahres war zwar eine Grundsatzübereinkunft zwischen dem Familienkollektiv der Terroropfer und der libyschen Stiftung Gaddafi unterzeichnet worden in der Libyen das Prinzip eines höheren "Blutgeldes" anerkannte. Eine genaue Summe wurde aber nicht festgelegt. Zahlreiche Zusatzforderungen der Libyer zogen die Einigung auf eine Gesamtsumme in die Länge. Für Ärger sorgte außerdem die Forderung des Sohns von Revolutionsführer Gaddafi: Der wollte die Entschädigung durch eine Sondersteuer finanzieren - diese sollten alle in Libyen tätigen französischen Firmen bezahlen.

1999 waren sechs Libyer von einem französischen Strafgericht in Abwesenheit wegen des Attentats auf die Uta-Maschine zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die libysche Regierung aber weigerte sich, die sechs, zu denen auch Gaddafis Schwager gehörte, auszuliefern.

Angelika Hensolt



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