Todesschütze im Profil Homophob, unsozial, gewalttätig

Wer war Omar Mateen, der 49 Menschen in Orlando tötete? Sein Imam nennt ihn "friedlich", die Ex-Frau dagegen berichtet von Misshandlung in der Ehe. Der Überblick.

Wohnhaus des Attentäters
AFP

Wohnhaus des Attentäters


Ein hasserfüllter Mensch - so bezeichnete US-Präsident Barack Obama den Attentäter von Orlando. Omar Mateen erschoss in der Nacht zum Sonntag mindestens 49 Menschen in einem Nachtklub im Bundesstaat Florida. Seitdem gehen die Bilder von Verletzten, die vom Tatort weggetragen werden, und von trauernden Menschen mit Regenbogenfahnen um die Welt. Und es verbreiten sich die Selfies des Täters, auf denen er sein Spiegelbild mit dem Smartphone fotografiert.

Genauso wie immer neue Smartphone-Bilder auftauchen, werden auch Details aus dem Leben des 29-Jährigen bekannt. Mateen wurde 1986 in New York geboren, seine Eltern sind Einwanderer aus Afghanistan. Der Junge wächst in Florida auf, an der Atlantikküste zwischen Orlando und Palm Beach. Er besucht die High School und macht einen College-Abschluss in Strafrecht.

Attentäter Omar Mateen
REUTERS/ Myspace

Attentäter Omar Mateen

Freunden gegenüber soll er darüber gesprochen haben, Polizist werden zu wollen. Seine Ex-Frau sagt, er habe sich an der Polizeischule beworben. Auf Bildern in dem Netzwerk MySpace ist er laut "Washington Post" in T-Shirts mit dem Aufdruck "New York Police Department" zu sehen. Seit 2007 arbeitete er bei der Sicherheitsfirma G4S, die nach eigenen Angaben auch US-Behörden wie den Sitz des Geheimdiensts bewacht. Mateen fiel bei zwei Überprüfungen durch seine Firma nicht negativ auf, absolvierte regelmäßig Waffentrainings. Er hat keine Vorstrafen.

Wann und warum entstanden seine die radikalen Ideen? Dazu gibt es unterschiedliche Theorien aus seinem Umfeld.

Mateen war zweimal verheiratet. Seine erste Frau stammte aus Usbekistan, doch die Ehe wird 2008 geschieden. Ein Jahr später heiratete er Sitora Yusufiy, die er im Internet kennenlernte. Auf dem Papier hielt die Ehe zwei Jahre, 2011 wurde sie geschieden. Tatsächlich trennten sie sich schon nach vier Monaten wieder, sagte Yusufiy der "Washington Post". Ihr Ex-Mann sei ein mental sehr instabiler und gewalttätiger Mensch gewesen. "Er kam nach Hause und hat mich einfach geschlagen, weil die Wäsche nicht gemacht war oder etwas Ähnliches."

Sie sei am Boden zerstört gewesen, als sie von der Tat erfahren habe, sagte Yusufiy der Zeitung weiter. Mateen sei ein praktizierender Muslim gewesen, es habe aber "keinerlei Anzeichen" für eine Radikalisierung gegeben. Als Hintergrund für das Attentat vermutet sie eine psychische Erkrankung.

Homophob, aber kein Fanatiker?

Auch der Vater des Täters, Mir Seddique Mateen, weist ein religiöses Motiv seines Sohnes zurück. "Das hat nichts mit Religion zu tun", sagte er dem US-Sender NBC. Er hat eine andere Erklärung: Omar Mateen habe vor einigen Monaten ein schwules Pärchen auf der Straße gesehen, das sich geküsst und angefasst habe. Mateen, der mit einer weiteren Frau einen dreijährigen Sohn hatte, sei wegen der öffentlichen Liebkosungen vor den Augen seines Kindes sehr wütend geworden und ließ sich kaum beruhigen. Der spätere Todesschütze sei homophob, aber kein religiöser Fanatiker gewesen.

Vater Mir Seddique Mateen, eigentlich von Beruf Versicherungsmakler, sucht schon seit Jahren mit seinen politischen Einstellungen die Öffentlichkeit. In selbst aufgezeichneten TV-Shows positioniert er sich gegen Pakistan und den afghanischen Präsidenten.

Drei- bis viermal die Woche soll Mateen am Abendgebet der Moschee seines Wohnortes Fort Pierce teilgenommen haben, oft zusammen mit seinem kleinen Sohn, berichtet sein Imam Syed Shafeeq Rahman. "Wenn er fertig war mit beten, ging er einfach wieder", sagt Rahman. Mateen habe sich mit niemandem unterhalten, habe sich sehr ruhig verhalten. "Er war sehr friedlich". Nie hätte er gedacht, dass der junge Mann eine solche Tat verüben könne. Vielleicht habe er sich unbemerkt im Internet radikalisiert. (Details zur angeblichen Verbindung Mateens zum IS lesen Sie hier).

Der Darstellung widerspricht allerdings laut "Washington Post" der 20-jährige Sohn des Imams. Mateen sei ein aggressiver Mensch gewesen, sagte er der Zeitung.

Fotostrecke

13  Bilder
Orlando Attentat: Trauer und Solidarität

Videos von Augenzeugen in Orlando:

vks



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.