Neue Erkenntnisse Die Fakten zum Attentat in Orlando

Zu dem Attentat in Orlando gibt es weitere Details. Was ist über den Täter bekannt? Welche Rolle spielt sein Vater? Und wer sind die Opfer? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Gedenkveranstaltung in Orlando
AP

Gedenkveranstaltung in Orlando


  • Was ist über den Attentäter bekannt?

Der 29 Jahre alte Omar Mateen hat im Nachtklub Pulse in Orlando 49 Menschen erschossen. Geboren wurde er in New York, seine Eltern stammen aus Afghanistan. Mateen lebte seit 1991 in Fort Pierce, war zweimal verheiratet und hat einen Sohn. Seine Ex-Frau bezeichnete ihn als mental instabil und gewalttätig. Sein Vater nannte ihn homophob.

Mateen arbeitete seit 2007 bei der Sicherheitsfirma G4S. Ehemalige Arbeitskollegen hatten ausgesagt, Mateen sei bereits früher mit radikalen Äußerungen aufgefallen. Das Unternehmen teilte nun mit, es habe keine Beschwerden über Mateen gegeben. Das FBI hatte den Mann zweimal im Visier und befragte ihn zu möglichen Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

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  • Handelte Mateen im Auftrag des IS?

Aus dem Umfeld des IS hieß es zwar, das Attentat sei von einem Kämpfer der Terrormiliz begangen worden. Doch nach Ermittlungen des FBI geht es nicht auf ein internationales Netzwerk zurück. Das sagten FBI-Direktor James Comey und US-Präsident Barack Obama.

Comey sprach von einer sehr verworrenen Motivlage des Attentäters: Er habe sich während der Attacke in drei kurzen Telefonaten neben dem IS auch zu den Attentätern des Boston-Marathons und zur Al-Nusra-Front bekannt. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der Hisbollah und mit al-Qaida.

Mateen ist nach Ansicht des FBI von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden. Es werde auch weiter ermittelt, welche Rolle "homophober Fanatismus" bei dem Anschlag gespielt habe, sagte Comey.

Es gibt aber auch Berichte, die darauf hindeuten, dass der Attentäter selbst Kontakt zur schwulen Szene hatte. Nach Augenzeugenberichten war er öfter Gast im Nachtklub Pulse, in dem er später mordete. Die Lokalzeitung "Orlando Sentinel" zitierte vier Gäste des Klubs, die Omar Mateen dort regelmäßig gesehen haben wollen. "Manchmal saß er in der Ecke und trank alleine, und manchmal war er so betrunken, dass er laut und aggressiv wurde", sagte einer der Gäste. Er habe Mateen im dem Klub mindestens ein Dutzend Mal gesehen.

Der Pulse-Stammgast Kevin West sagte der "Los Angeles Times", er habe etwa ein Jahr lang immer wieder über eine schwule Dating-App Kontakt mit Mateen gehabt. Auch andere Männer berichteten in US-Medien, sie hätten über diverse einschlägige Kontakt-Apps in Verbindung mit Mateen gestanden; dieser habe Bekanntschaften für Begegnungen gesucht.

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  • Welche Rolle spielt Mateens Vater?

Mir Seddique Mateen ist Versicherungsmakler, mit seinen politischen Einstellungen sucht er seit Jahren die Öffentlichkeit: In selbst aufgezeichneten TV-Shows positioniert er sich gegen den afghanischen Präsidenten. Am Montag sagte er, die Tat seines Sohnes sei die "Tat eines Terroristen" gewesen. Er entschuldigte sich und sagte gegenüber Reportern vor seinem Wohnhaus, er sei genauso traurig und wütend wie sie. Über die religiösen oder politischen Ansichten seines Sohnes wisse er nichts. "Es gibt nichts, was ich an ihm vermisse. Was er getan hat, war unmenschlich."

  • Was ist über die Tatwaffe bekannt?

Mateen hatte in den Tagen vor dem Attentat legal ein Gewehr und eine Pistole gekauft. In den Nachtklub kam er mit einem Gewehr vom Typ AR15 und einer Handfeuerwaffe. Schon kurz nach dem Attentat begann in den USA erneut die Debatte um schärfere Waffengesetze. Obamas Sprecher Josh Earnest sagte: "Die AR15 ist eine Kriegswaffe. Der Präsident glaubt, dass sie verboten werden sollte."

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  • Wer sind die Opfer?

Mindestens 49 Menschen wurden im Nachtklub erschossen, weitere 53 Menschen sind verletzt. Die Stadt Orlando hat Namen und Alter der Todesopfer veröffentlicht. Die jüngste Person auf der Liste ist 18 Jahre alt, die älteste 50. Unter den Opfern sind zahlreiche Latinos. Nach Angaben des mexikanischen Innenministeriums starben mindestens drei Mexikaner.

In Orlando versammelten sich einen Tag nach dem Attentat Tausende Menschen, um der Opfer zu gedenken. "Liebe siegt" und "Orlando ist stärker" stand unter anderem auf ihren Plakaten.

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SPIEGEL ONLINE
  • Wird die Tat politisch instrumentalisiert?

Ja. Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump nutzen das Attentat für ihren jeweiligen Wahlkampf. Die Demokratin forderte erneut schärfere Waffengesetze und erinnerte an den Zusammenhalt nach den Terrorangriffen in New York und Washington im Jahr 2001: Alle politischen Kräfte hätten gemeinsam nach Lösungen gesucht, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Clinton kündigte zudem an, im Falle eines Wahlsieges werde der Kampf gegen potenzielle terroristische Einzeltäter ihre "oberste Priorität".

Der Republikaner Trump nahm das Massaker als Vorwand, um erneut gegen Muslime zu hetzen und für seine Idee eines abgeschotteten Landes zu werben. Bis geklärt sei, wie die Terrorbedrohung beendet werden könne, werde er die Einreise aus allen Staaten "mit einer erwiesenen Geschichte des Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, Europa oder unsere Verbündeten" unterbinden, sagte Trump. Er forderte zudem Clinton und Obama zum Rücktritt auf.

Der US-Präsident will am Donnerstag nach Orlando reisen, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Einzelheiten dazu seien noch nicht bekannt.

Einen Kommentar, wie Donald Trump das Massaker politisch ausnutzt, lesen Sie hier.

aar/kev/dpa/AP/Reuters

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