Orlando und der US-Wahlkampf Trumps Niedertracht

Das Attentat von Orlando ist eine Tragödie, weil 49 unschuldige Menschen ihr Leben verloren haben - und weil es Donald Trump helfen könnte, das Weiße Haus zu erobern.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump

Ein Kommentar von , Washington


Wer bislang glaubte, es werde schon alles nicht so schlimm werden mit diesem Donald Trump, dem sei seine jüngste Rede zum Kampf gegen den Terror zur Ansicht empfohlen. Es spricht ein politischer Extremist, der nicht nur von persönlicher Eitelkeit, sondern spürbar auch vom Hass auf andere getrieben ist.

Die Rede ist ein Dokument der Niedertracht. Trump erhebt den Kampf gegen Terror kurzerhand zu einer Frage, von der schon in sehr naher Zukunft das Überleben der USA abhänge. Daraus leitet er das Recht ab, alle Maßnahmen zu ergreifen, die ihm notwendig erscheinen.

Trump erklärt praktisch sämtliche Muslime zu potenziellen Feinden der USA. Wer aus einem muslimischen Land stammt, in dem es zum Beispiel Terroranschläge gegen US-Einrichtungen gab, darf laut der Trump-Doktrin nicht nach Amerika einreisen. Muslime, die bereits in Amerika leben, sind für ihn allesamt mögliche Komplizen der Attentäter, "denn sie wissen, was passiert". Und Trump will als Konsequenz aus dem Orlando-Attentat nicht weniger Waffen in den Händen von Privatleuten sehen, sondern mehr - damit sich künftig jedermann in einem Nachtklub gegen Angreifer verteidigen kann.

Trump folgt dem politischen Lehrbuch des modernen Autokraten. Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan lassen grüßen. Er nutzt eine Krise, um sich einer in Teilen verunsicherten Bevölkerung mit radikalen Lösungen als harter Vollstrecker zu empfehlen. Er kündigt eine Ausweitung des Sicherheitsapparats an, benennt Sündenböcke ("die Muslime") und zeichnet das sonstige politische Personal als schwach und inkompetent.

Die Aggressivität mit der Trump seine Kampagne betreibt, ist atemberaubend. Er bricht sämtliche Normen des politischen Anstands und verhöhnt mit seinen Ausführungen praktisch alle Werte, für die Amerika seit jeher einsteht: die Gleichheit vor dem Gesetz, die Weltoffenheit, die Freiheit, einschließlich der Freiheit, den eigenen Glauben leben zu dürfen. Für Trump scheint nur ein Motto zu gelten: Wenn du das Spiel beherrschen willst, ändere die Regeln.

Sollte Trump tatsächlich Präsident werden, dürfte sich das Verhältnis zwischen dem Westen und der muslimischen Welt dramatisch verschlechtern. Trumps Hass-Politik wäre ein Garant dafür, dass der irrsinnige Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt im Nahen Osten und darüber hinaus neuen Schwung erhielte. Im IS-Hauptquartier in Syrien sehen sie einer möglichen Wahl Trumps sicherlich schon voller Vorfreude entgegen. Ein besseres Rekrutierungsprogramm könnte sich selbst der finsterste Dschihadist nicht ausdenken.

Trump spaltet und ist maßlos. Seine Reaktion auf das Attentat von Orlando beweist erneut, dass er charakterlich für das Präsidentenamt nicht geeignet ist.

Natürlich gibt es Hoffnung, dass eine Mehrheit der Amerikaner sein zynisches Spiel durchschaut. Aber was, wenn nicht?

Lesen Sie auch:

Neue Erkenntnisse: Die Fakten zum Attentat in Orlando

Meinungskompass
insgesamt 465 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
elkadi 14.06.2016
1. Der will echt riskieren, dass...
Betrunkene in Clubs Waffen tragen? Wenn nicht soviele minderbagbten Genies den evtl. wählen würden, sollte man echt nicht auf diesen selbstgefälligen Clown (wegen der Perücke natürlich) eingehen. Oder wir schicken ihm die Hooligans rüber, die sind weiß, Waffennarren un tragen auch Arian Brotherhood-Zeichen. Abgesehn davon ist die Idee mit der Mauer gar nicht schlecht, es wäre nämlich keine Mauer um die USA, sondern um den Rest der Welt....zu unserem Schutze vor Kleingeisterie solcher Leute. Hat überall Schulden, die er nicht zahlen will, in Stuttgart wollte er den Trump-Tower bauen, den er nicht gebaut hat, weil abgesprungen ist, nachdem er durch Immo-Spekulation auf dem Bau genügend abgegriffen hat. TsTs....
jojack 14.06.2016
2. Und?
Dass ein Ereignis wie der Anschlag von Orlando im US-Wahlkampf eine Rolle spielt, ist eigentlich selbstverständlich und sogar wichtig. Die Kandidaten sind gefragt, ihre Strategien für das zukünftige Verhindern solcher Taten darzulegen. Ich persönlich halte Trumps Ansatz zwar für falsch und schlicht nicht durchführbar - aber darüber können sich die US-Bürger nun ein Urteil bilden. Solidaritätsbekundungen mit der betroffenen Community allein werden das Problem islamistischen Terrors jedenfalls nicht lösen.
Markus Becker (MB) 14.06.2016
3. Trump hat hier Recht.
Beispiel: Clinton nimmt von Saudi Arabien Spenden an obwohl dort Schwulen und Lesben der Tod droht. Wie kann man so etwas verlogenes Ernst nehmen? Unsere Medien sollen sich daran gewöhnen das Trump, und dies zurecht, vermutlich der nächste Präsident wird.
sojetztja 14.06.2016
4.
Im Kern sehe ich das auch so. Allerdings stellt sich mir schon die Frage, ob ich Trump nicht zustimmen würde, wenn der jüngste Anschlag (oder überhaupt ein Anschlag) in meiner Nachbarschaft geschehen oder ich sogar direkt betroffen wäre. Jetzt lasst bei uns mal ein paar Bomben hochgehen und dann prüfe ein jeder selbst, wie es bei ihm mit den sogenannten westlichen Werten bestellt ist.
tailspin 14.06.2016
5. Die schuetzede Hand der Regierung am Werk
17 rote Flaggen in der Vergangenheit des Attentaeters Omar Mateen, die vom Government aus Gruenden der politischen Korrektheit gepaart mit galoppierender Inkompetenz geflissentlich igoriert wurden, und die den offiziellen Verlautbarungen widersprechen. http://www.zerohedge.com/news/2016-06-13/17-facts-about-orlando-shooter-every-american-should-know Wie ein Leser anmerkte, kannte sich sich Omar in dem Club offenbar bestens aus und hatte da schon schon oefter rum gehangen aus einschlaegigen Gruenden. Und er hat den Anschlag moeglicherweise nicht alleine ausgeuebt. http://www.zerohedge.com/news/2016-06-13/arrest-accomplice-lone-wolf-orlando-shooter-expected-soon
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.