Trump nach Massaker in Orlando "Ich will sie nicht in unserem Land haben"

Donald Trump verschärft nach der Tat von Orlando seine antimuslimische Rhetorik - und verlangt radikale Einreiseverbote. Präsident Obama wirft er vor, die Sicherheitskräfte zu behindern.

Donald Trump
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Nach dem Angriff auf den Homosexuellen-Nachtklub "Pulse" in Orlando erhebt der republikanische Präsidentschaftsanwärter Donald Trump schwere Vorwürfe gegen Barack Obama. Demnach würden Sicherheitskräfte, die Anschläge verhindern sollten, angeblich vom Weißen Haus zurückgehalten. Was er damit konkret meine, führte Trump nicht aus.

Auf einer Wahlveranstaltung in Manchester, New Hampshire, verlangte Trump die Generalüberholung der US-amerikanischen Einwanderungsgesetze und unterstrich erneut seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime. Dabei ging er noch über seine bisherige Position hinaus.

Bei einem Wahlsieg wolle er die Einreise aus allen Staaten stoppen, die unter Terrorverdacht stünden. Diese Forderung würde demnach nicht nur Angehörige muslimischen Glaubens betreffen, sondern alle Bürger bestimmter Staaten. Bis geklärt sei, wie die Terrorbedrohung beendet werden könne, werde er die Einreise aus Ländern "mit einer erwiesenen Geschichte des Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, Europa oder unsere Verbündeten" unterbinden, sagte Trump.

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Orlando Attentat: Trauer und Solidarität

"Viele Prinzipien des radikalen Islamismus sind nicht vereinbar mit westlichen Werten und Institutionen", erklärte Trump. "Sie versklaven Frauen und ermorden Schwule", sagte Trump. "Ich will sie nicht in unserem Land haben." Bemerkenswert: Als ausgewiesener Schwulenfreund war Trump bisher nicht in Erscheinung getreten. Im Gegenteil - viele seiner Anhänger sprechen sich gegen Gleichstellungsgesetze aus. Auch Trumps Frauenbild ist - vorsichtig ausgedrückt - nicht gerade als liberal bekannt.

Besonders harsch äußerte sich Trump über Flüchtlinge aus Syrien, die in die USA kommen: Er nannte sie eine "bessere, größere Version des Trojanischen Pferdes". Verallgemeinernd nannte Trump muslimische Flüchtlinge eine Gefahr für die amerikanische Jugend: "Sie ergreifen unsere Kinder und rekrutieren sie für den IS."

Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag auf die Schwulen- und Lesbenbar "Pulse" hatte Trump seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton sowie Präsident Obama vorgeworfen, es im Anti-Terror-Kampf an Härte vermissen zu lassen. Er forderte Obama deshalb am Sonntag zum Rücktritt auf.

In der Nacht zum Sonntag hatte ein Attentäter in der Szenebar in Orlando 49 Menschen ermordet. Der Schütze Omar Mateen soll mit den Terroristen des "Islamischen Staats" sympathisiert haben. Nach dem Massaker äußerten sich Menschen weltweit bestürzt und bekundeten ihre Solidarität mit den Opfern.

asc/Reuters/AFP

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