Schießereien in den USA Wo der Wahnsinn Alltag ist

49 Tote, 53 Verletzte: Das Attentat von Orlando ist das schwerste seit Langem - und Amerika diskutiert erneut seine Waffengesetze. Die Grafik zeigt: In den USA vergeht kaum ein Tag ohne tödliche Schießereien.


SPIEGEL ONLINE

Das FBI definiert eine Schießerei mit mindestens vier Verletzten oder Toten, den Täter nicht mit eingerechnet, als Massenschießerei ("Mass Shooting"). An exakt 182 Tagen im Verlauf des vergangenen Jahres fand in den Vereinigten Staaten mindestens eine solche Massenschießerei statt. Ereignisse, die in Deutschland tagelang die Nachrichtenseiten füllen würden, sind damit in den USA praktisch trauriger Alltag.

Was diese Zahlen bedeuten, versucht die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zu vermitteln. Für jeden Tag seit Juli 2015 zeigt die Einfärbung in der Kalendergrafik die Anzahl an Massenschießereien, die in den USA stattgefunden haben. Insgesamt ergibt sich im Verlauf des vergangenen Jahres eine Zahl von 319 Taten, die 398 Menschen das Leben gekostet haben und bei denen 1301 Personen verletzt wurden. An 35 Tagen fanden mindestens drei Massenschießereien statt. Den unrühmlichen Rekord hält der 22. November mit sechs Schießereien.

Die jüngsten Ereignisse in Orlando, wie auch das Attentat von San Bernardino im Dezember, stellen dabei in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit dar. In beiden Fällen handelten die Täter in der gezielten Absicht, möglichst viele Menschen zu töten, und hatten sich mit Sturmgewehren bewaffnet.

Wie einfach es ist, sich in den USA entsprechend zu bewaffnen, zeigt eine Recherche der "New York Times". Die überwiegende Mehrzahl der Waffen, die bei den letzten 16 größeren Massenschießereien zum Einsatz kamen, wurden demnach völlig legal erworben. In mindestens acht der 16 Fälle sogar, obwohl die Täter eine kriminelle Vergangenheit oder dokumentierte psychologische Erkrankungen hatten.

Dass nach dem Attentat von Orlando nun die Diskussion über die Waffengesetzgebung erneut aufkommt, ist in den USA allerdings traurige Routine. Die Positionen scheinen festgefahren, inhaltliche Argumente dringen kaum durch.

Dabei reicht ein Blick in die Uno-Statistik, um festzustellen, wie gravierend das Problem der Waffengewalt in den USA ist: Kein anderes hoch entwickeltes Land weist eine auch nur annähernd ähnlich hohe Mordrate durch Schusswaffen auf. Mit knapp 30 Todesfällen pro einer Million Einwohner war die Quote im Jahr 2012 circa 15 Mal so hoch wie in Deutschland. In der Statistik liegen die USA damit zwischen Barbados und dem Westjordanland.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

agr/pst



insgesamt 198 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
habenix 16.06.2016
1. Schlechte Statistik
Die Statistik die sie anführen ist ungeeignet, sie unterscheidet nicht zwischen Selbstmord und Mord mit Schußwaffen, so eine einseitige Statistik sollte man nicht benutzen.
gandhiforever 16.06.2016
2. Leider bedarf es wohl
Leider bedarf es wohl einer Massenschiesserei an einem GOP- oder NRA-Anlass, bevor Bewegung in die verbohrte Haltung der "Konservativen" geraet. Zwar deuten nun einzelne Parlamentarier der Unwerte-Partei an, sie koennten einsichtg werden, doch ich glaube es erst, wenn Taten folgen. Denn der mutmassliche Praesidentschaftskandidat dieser Leute will nichts von Einsicht wissen, greift zu Luegen, um seine Sturrheit zu verteidigen.
Porsche007 16.06.2016
3. Einseitige Darstellung
Was natürlich wieder mal unerwähnt bleibt ist die Tatsache, dass es sich bei den meisten dieser "mass-shootings" um Gangs handelt, die sich im Kampf um Einfluss im Drogenhandel gegenseitig bekriegen. Somit gibt es in den Fällen selten unbeteiligten Opfer und sind auch nicht unbedingt das, was man sich im ersten Moment unter "mass-shooting" vorstellt. Desweiteren gibt es zwischen den USA und Deutschland auch große Unterschiede bei den sozioökonomischen Verhältnissen. Beispielsweise sind die USA auch das westliche Land mit den größten Einkommensunterschieden (höchster Gini-Koeffizient). Es gibt deutlich weniger Sozialsysteme und die meisten Schießereien finden auch gerade in innerstädtischen Problembezirken statt. Durch schärfere Waffengesetze löst man diese Probleme nicht. Es ist auch fragwürdig, ob Kriminelle diesen Gesetzen Folge leisten, da sie es ja jetzt schon nicht tun. Außerdem wurden in Kalifornien bereits alle Gesetze umgesetzt, die Obama für die gesamte USA gefordert hat. Hat aber San Bernadino nicht verhindert. Übrigens fanden auch etwa 95% aller "mass-shootings", bei denen unschuldige Menschen starben, in Waffenverbotszonen statt. Hat den Opfern nicht geholfen, sondern sie eher wehrlos gemacht (um auch mal ein Argument der NRA aufzugreifen). Wie aber auch schon im Text erwähnt: Leider dringen Fakten nur selten durch!
lars.manhof 16.06.2016
4. Weltmeister USA
'Kein anderes hoch entwickeltes Land weist eine auch nur annährend ähnlich hohe Mordrate durch Schusswaffen auf'. Da die Erde sowieso unter der Überbevölkerung des Menschen leidet, fängt das hochentwickelte Land allmählich an, durch ein fein austariertes Modell von Waffenbezug und straflosem Einsatz, der Überbevölkerung entgegenzuwirken. Der kleine Mann löst das globale Problem. Und die USA bieten sich zum ersten Mal in der Erdgeschichte an, diese Versuche auf dem eigenen Kontinent durchzuführen.
zehwa 16.06.2016
5. Die Diskussion um die Waffengesetze...
...in den krankt leider daran, dass keine Seite sich der anderen annaehern kann, ohne die eigene Position komplett aufzugeben. D.h., es ist eigentlich keine Diskussion, da ein Kompromiss unmøglich scheint. Wer ueber die "bloeden Amis" die Nase ruempfen will, sollte sich allerdings vorher mal die hiesige Debatte um das Tempolimit auf den Autobahnen ins Gedaechtnis rufen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.