Proteste in St. Petersburg Orthodoxe Extremisten zerstören Mephistopheles-Relief

Eine ultraorthodoxe Gruppe hat in St. Petersburg ein Relief zerstört, das Mephistopheles zeigte. Als Grund gaben die Extremisten an, das Werk stelle eine "offene Anbetung des Teufels" dar. Nun protestieren Tausende gegen den Vandalismus.

Zerstörtes Relief: "Unverschämter Akt des Vandalismus"
AP/dpa

Zerstörtes Relief: "Unverschämter Akt des Vandalismus"


Mehr als hundert Jahre lang grinste Mephistopheles von einem Gebäude im Zentrum St. Petersburgs auf die Straßen hinunter. Um 1910 wurde das Relief an der Fassade des Hauses angebracht. Es sollte an den Opernsänger Feodor Schaljapin in seiner Rolle als Mephistopheles erinnern. Doch in der vergangenen Woche war das Relief von dem Gebäude entfernt worden.

Nun haben mehr als tausend Menschen gegen die Zerstörung des Reliefs protestiert. Die Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie "Hände weg von der Kunst" und "Rettet unser St. Petersburg". Aktivisten verurteilten den "unverschämten Akt des Vandalismus".

Eine bislang unbekannte ultraorthodoxe Gruppe namens "Kosaken von St. Petersburg" bekannte sich in einem Brief zu der Tat. Sie bezeichnete das Relief als eine "offene Anbetung des Teufels", die im Widerspruch zu den Lehren der Kirche stehe. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Teile der Figur wurden in einem Müllsack gefunden.

"Wenn das Relief tatsächlich aus religiösen Gründen zerstört wurde, befinden wir uns wieder im Mittelalter. Das ist inakzeptabel", sagte die Demonstrantin Anna Astachowa. "Ich bin selbst eine orthodoxe Christin, aber diesen Unsinn unterstütze ich nicht", erklärte die Protestteilnehmerin Galina Wanina. Auch der Abgeordnete Boris Wischnewski von der oppositionellen Jabloko-Partei äußerte sein Unverständnis. Das architektonische Erbe der Stadt müsse geschützt werden, betonte der Politiker.

Die Orthodoxe Kirche verteidigte die Tat hingegen. "Mephistopheles verkörpert das Böse in dieser Welt", sagte ein Kirchen-Sprecher der Tageszeitung "Iswestija". Daher sei es richtig gewesen, das Relief zu demolieren. Die Tat schürt die Sorge vor einer zunehmenden religiösen Intoleranz in Russland. Erst kürzlich hatten orthodoxe Aktivisten mehrere Ausstellungen in Moskau angegriffen, weil sie die Gefühle der Gläubigen durch die dort gezeigten Kunstwerke verletzt sahen. Auch mehrere wertvolle Linolschnitte des bekannten russischen Bildhauers Wadim Sidur wurden zerstört.

kha/AFP/AP



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