Referendum gefordert Russische Kirche will Homosexualität unter Strafe stellen

Nur wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Russland sorgt die russisch-orthodoxe Kirche mit der Forderung nach einem Referendum für Schlagzeilen. Per Gesetz will sie Homosexualität unter Strafe stellen.
Wselowod Tschaplin: Ein Referendum soll über die Legalität von Homosexualität in Russland entscheiden

Wselowod Tschaplin: Ein Referendum soll über die Legalität von Homosexualität in Russland entscheiden

Foto: ANDREY SMIRNOV/ AFP

Moskau - Knapp einen Monat bevor die Olympischen Spiele in Sotschi beginnen, fordert die russische Kirche, Homosexualität unter Strafe zu stellen.

Wselowod Tschaplin, Chefideologe der russisch-orthodoxen Kirche, sprach sich am Freitag in einem Interview mit der Kreml-nahen Tageszeitung "Iswestija" für ein Referendum zu diesem Thema aus. "Die Mehrheit unseres Volkes soll entscheiden, was bei uns ein Verbrechen ist und was nicht", so Tschaplin.

An seiner persönlichen Haltung ließ Tschaplin, der im Staatsfernsehen eine wöchentliche Sendung moderiert und im Moskauer Patriarchat für die Beziehungen zur Gesellschaft zuständig ist, keine Zweifel: "Ich bin überzeugt, dass solche sexuellen Kontakte komplett aus unserem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen gehören. Wenn uns das allein durch moralischen Druck gelingen kann, umso besser. Aber wenn wir dabei Hilfe durch Gesetze benötigen, lasst uns die Menschen fragen, ob sie auch dazu bereit sind."

In Russland ist erst im Sommer 2013 ein international umstrittenes Verbot von Homosexuellen-Propaganda in Kraft getreten. Dies stellt positive Äußerungen über gleichgeschlechtliche Lebensweisen vor Minderjährigen unter Strafe.

Homosexualität war in der Sowjetunion per Gesetz verboten, seit 1993 ist sie jedoch in Russland erlaubt. Tschaplin begründete seine Forderung jedoch mit öffentlichen Umfragen, wonach die Mehrheit der russischen Bevölkerung Homosexualität als eine behandlungsbedürftige Krankheit oder als Verbrechen beurteilen würde.

Menschenrechtsgruppen in Russland zeigten sich besorgt, dass Tschaplins Forderung auch durchgeführt werden könnte. "Die Kirche betreibt die Arbeit der Regierung. Der Kreml will das wohl nicht selbst machen, denn das würde die Beziehungen Russlands zum Westen belasten", sagte Nikolai Alexejew, Vorstandsmitglied einer Homosexuellen-Vereinigung in Moskau.

cth/dpa/sid
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