Montenegro Orthodoxer Priester weiht Platz nach Parade von Homosexuellen

Für die serbisch-orthodoxe Kirche sind Homosexuelle "das Böse". Ein Priester hat deshalb in Montenegro einen Platz geweiht, auf dem Stunden zuvor Schwule und Lesben für mehr Rechte demonstriert hatten. Die Kundgebung bezeichnete er als "Parade der Schande und der Krankheit".

Homosexuellen-Parade in Budva: Ein Priester bezeichnete die Demonstration als "teuflischen Angriff"
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Homosexuellen-Parade in Budva: Ein Priester bezeichnete die Demonstration als "teuflischen Angriff"


Belgrad/Hamburg - In dem Urlaubsort Budva in Montenegro haben etwa zwei Dutzend Schwule und Lesben am Mittwochnachmittag für mehr Rechte demonstriert. Für einen serbisch-orthodoxen Priester war das Grund genug, wenige Stunden später den Versammlungsplatz zu weihen, um damit "das Böse zu vertreiben".

"Auf das Schärfste verurteilen wir die heutige Parade der Schande und der Krankheit", sagte der Priester laut lokalen Medien. "Wir bitten Gott, aus Montenegro alle teuflischen Angriffe zu vertreiben", so der Geistliche weiter, bevor er den angeblich entehrten Platz vor der Altstadt am Mittwochabend mit Weihwasser besprengte.

Mit seiner Meinung steht der Priester in Osteuropa nicht allein da. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hatte erst am Wochenende gegen Homosexuelle gehetzt. "Das ist ein sehr gefährliches apokalyptisches Symptom. (...) Denn das bedeutet, dass das Volk den Pfad der Selbstzerstörung einschlägt", sagte Kirill in der Kasaner Kathedrale am Roten Platz in Moskau.

Zeitungen veröffentlichen falsche Nachrufe auf Schwule

Schon während des Umzugs an der Uferpromenade am Mittwoch war es in Budva zu schweren Unruhen gekommen. Die von einem massiven Polizeiaufgebot geschützten Homosexuellen wurden von wütenden Passanten mit Steinen, Stühlen, Gläsern, Flaschen und Eiern beworfen. "Bringt sie um! Bringt sie um", riefen mehrere Angreifer. Die montenegrinische Polizei nahm etwa 20 Angreifer fest, zwei Menschen wurden bei den Zusammenstößen verletzt. Die Lesben und Schwulen mussten mit einem Boot aus der Gefahrenzone fliehen.

Auch Urlaubercafés in dem Ort an der Adriaküste schlossen sich dem Protest an. Sie hörten während der Kundgebung auf, Musik zu spielen. Noch zynischer reagierten einige Tageszeitungen in dem Land: Sie veröffentlichten falsche Nachrufe auf mehrere Homosexuellen-Aktivisten.

Die Regierung des EU-Kandidaten Montenegro hatte den ersten Umzug von Homosexuellen erlaubt, um die demokratische Reife des Balkanlandes unter Beweis zu stellen.

syd/dpa



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BlogBlab 25.07.2013
1. Die Homophobie der orthodoxen Kirche im historischen Kontext
Die in Osteuropa weit verbreitete Homophobie ist nur im Kontext des starken Einflusses der orthodoxen Kirche zu verstehen, die ihren Ursprung im oströmischen byzantinischen Reich hat. In der Antike war homosexuelles Verhalten straflos, solange die Gesetzgebung frei von biblischen Einflüssen blieb. In der Gesetzgebung des alten Roms stand nur die Vergewaltigung eines Mannes unter Geldstrafe. In nachklassischer Zeit nahm dann erstmals das Christentum Einfluss auf die Gesetzgebung Roms. Infolgedessen wurde nach der Konstantinischen Wende die Homosexualität bestraft. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches setzte sich dann im östlichen Teil, dem Byzantinischen Reich, das Christentum als Staatsreligion durch. Unter dem orthodox-katholischen Einfluss wurde die Bestrafung homosexueller Handlungen unter Männern verschärft, der oströmische Kaiser Justinian führte als regelmäßige Strafe sogar "das Schwert", also die Todesstrafe, ein. In diesem Kontext ist die feindselige Haltung der aus dem byzantinischen Reich stammenden russisch-orthodoxen Kirche und ihrer Gläubigen zur Homosexualität zu sehen.
winlen-bay 25.07.2013
2. optional
Biologische Veranlagungen sind eine Sache, emotionelle Störungen sollten behandelt werden. Religion ist die Krankheit und das Verwerfliche und mangelt an Moral
JolietJakeblues 25.07.2013
3.
Zitat von sysopDPAFür die serbisch-orthodoxe Kirche sind Homosexuelle "das Böse". Ein Priester hat deshalb in Montenegro einen Platz geweiht, auf dem Stunden zuvor Schwule und Lesben für mehr Rechte demonstriert hatten. Die Kundgebung bezeichnete er als "Parade der Schande und der Krankheit". Orthodoxer Priester in Montenegro weiht Platz von Homosexuellenparade - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/orthodoxer-priester-in-montenegro-weiht-platz-von-homosexuellenparade-a-913086.html)
Tja, das ging wohl in die Hose...
dannyandy 25.07.2013
4. absolution für alle außer für Homos?
es ist doch bezeichnend, dass die Katholische Kirche allen Sündern Absolution erteilt: für Diebstahl für Mord etc. Nur ethische Zersetzung ist immer noch eine Todsünde! Was schon immer war darf nicht sein! Leider ist Homosexualität immer noch no go in den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen!
M. Thomas 25.07.2013
5. Man sollte
sich als Deutscher und Europäer angesichts der mittlerweile vielfältigen und brutaler werdenden Hetze gegen andere und Minderheiten in Zukunft wirklich gut überlegen, ob man überhaupt andere Nationen und Völker zur Einhaltung von Menschenrechten anhalten sollte - wir hätten da wirklich genug vor der eigenen Türe zu fegen. Peinlich dumme Schreierei und Verfolgungen nehmen überall dramatisch zu, man denke nur an Ungarns Juden- und Deutschlands wie Frankreichs irrationalen Muslimenhass mit all seinen bösen Folgen. Wir Deutsche und Europäer sollten echt mal die Klappe halten und uns schämen.
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