Ostasien Bush genehmigte Treffen zwischen Japan und Nordkorea

Lange herrschte Eiszeit zwischen Japan und Nordkorea. Tokio wirft Pjöngjang vor, japanische Staatsbürger gekidnappt zu haben. Außerdem sieht sich Japan durch nordkoreanischen Raketentests bedroht. Jetzt haben sich die Staatschefs der beiden Länder getroffen.


Pjöngjang/Tokio - Die mutmaßliche Entführung der zwischen den siebziger und achtziger Jahren verschwundenen Japaner war die zentrale Frage des ersten Treffens zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi und dem nordkoreanischen Staats- und Parteichef Kim Jong Il.

Japanischen Medienberichten zufolge sind die beiden Parteien in diesem Punkt weitergekommen. Denn Nordkorea habe erstmals Hinweise auf das Schicksal der vermissten Japaner gegeben. Das gab ein Regierungssprecher in Tokio nach Abschluss des als historisch bezeichneten Gipfeltreffens bekannt. Die Nordkoreaner sollen die Japaner angeblich als Helfer bei der Ausbildung der eigenen Spione verschleppt haben. Sie sollten von den Japanern Sprache und Lebensweise erlernen. Der nordkoreanische Staats-und Parteichef erklärte, einige "fehlgeleitete" Nordkoreaner hätten die Japaner gekidnappt, um deren Identität anzunehmen.

Wie der japanische Sender "NHK" meldete, hat Nordkorea bestätigt, dass sich neun der elf Japaner in dem kommunistischen Land befinden. Vier der Entführten seien noch am Leben, einer vermisst und sechs seien bereits verstorben, heißt es aus nordkoreanischen Regierungskreisen. Staats- und Parteichef Kim Jong Il wird aus dem Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten zitiert: "Es ist bedauerlich, ich möchte mich ehrlich dafür entschuldigen."

Ein weiterer Streitpunkt sind die nordkoreanischen Raketentests, die den Japanern nicht gefallen. Nordkorea hat jetzt zugesagt, sein Raketentestmoratorium zu verlängern. Pjöngjang hatte im vergangenen Jahr erklärt, bis 2003 keine Raketen mehr zu testen. 1998 hatte Nordkorea eine Mittelstrecken-Rakete über Japan hinweg in den Pazifik geschossen und damit große Besorgnis ausgelöst. Tokio dringt ferner auf eine Inspektion der nordkoreanischen Atomanlagen durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA).

Besonders heikel galt das Gipfeltreffen für die Japaner: Sie trafen auf den Machthaber einer der Staaten die zu US-Präsidents Bushs "Achse des Bösen" gehören. Bush hatte dem Treffen eigens zugestimmt, um Spannungen im asiatischen Raum aus dem Wege zu gehen.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il hatte vor dem Gipfeltreffen von einer "epochalen Chance" gesprochen. Das Treffen könnte den bilateralen Beziehungen neues Leben einhauchen und einen wichtigen Beitrag zur sicherheitspolitischen Entspannung in der Region beitragen.

Japan und Nordkorea haben bis jetzt keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Die Verhandlungen über ein Aufnahme sind seit zwei Jahren unterbrochen. Grund dafür war, dass Nordkorea bislang leugnete, in das Verschwinden der elf Japanern verwickelt gewesen zu sein. Zudem verlangt Nordkorea eine Wiedergutmachung für die Zeit der japanischen Besatzung zwischen 1910 und 1945. Beide Staatschef einigten sich darauf, die Verhandlungen im Oktober wiederaufzunehmen.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.