Ostindien Tausende Christen fliehen vor Übergriffen

Der Mord an einem Hindu-Anführer war der Auslöser: Im Osten Indiens sind zwischen Hindus und Christen gewaltsame Auseinandersetzungen aufgeflammt. Häuser und Kirchen brennen, zehntausend Menschen sind auf der Flucht.


Bhubaneswar - Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Christen sind im Osten Indiens zwei Menschen schwer verletzt worden. Ein Behördenvertreter teilte mit, dass es am späten Samstagabend im Bezirk Koraput zu Ausschreitungen gekommen war. Durch die seit Tagen anhaltende Welle der Gewalt in Ostindien sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Die Lage habe sich aber wieder beruhigt, sagte der Vertreter am Sonntag.

Auslöser der Krawalle war der Mord an einem populären Hindu-Anführer am vergangenen Samstag im indischen Bundesstaat Orissa. Die Polizei machte zunächst maoistische Rebellen für den Mord an dem Hindu-Anführer verantwortlich, Hindus aus der Region beschuldigten jedoch die dort lebenden Christen.

Tausende Menschen, überwiegend Christen, sind seitdem aus ihren Wohnungen geflohen. Nach offiziellen Angaben suchten knapp zehntausend Menschen Unterschlupf in insgesamt neun Flüchtlingslagern der Regierung. Rund 500 Häuser sowie christliche Kirchen wurden in Brand gesteckt.

In Indien kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Hindus und Christen. Hinduistische Hardliner beschuldigen christliche Missionare, arme Inder aus niedrigen Kasten mit der Aussicht auf Bildung und medizinische Versorgung zum Religionswechsel zu bewegen. Gut zwei Prozent der 1,1 Milliarden Inder sind Christen.

abl/AFP



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