Ostkongo Berichte über Massaker an Zivilisten

Im Osten des Kongo sind neue Kämpfe aufgeflammt. Der Krisengipfel in Nairobi droht ohne Wirkung zu bleiben. Erneut sind Tausende Menschen auf der Flucht.


Nairobi/Goma - Der britische und französische Außenminister, David Miliband und Bernhard Kouchner, reisten in die Krisenregion, um für Frieden zu werben, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zu einem Ende der Kämpfe auf, in Nairobi tagt ein Krisengipfel, um die Probleme im Osten des Kongo einzudämmen - doch all die Friedensbemühungen fruchten bisher nicht: Die Kämpfe im Osten des Kongo sind wieder aufgeflammt.

Umkämpfte Region Goma: Soldaten der Nationalarmee bergen einen Verletzten
AFP

Umkämpfte Region Goma: Soldaten der Nationalarmee bergen einen Verletzten

Nach Angaben eines Reporters der französischen Nachrichtenagentur Agence France Press flohen Tausende Menschen aus einem Flüchtlingslager in der umkämpften Provinz Nord-Kivu, als sich Rebellen und Regierungstruppen neue Gefechte lieferten. Zu den Kämpfen zwischen Einheiten des desertierten Tutsi-Generals Laurent Nkunda und konkoglesischen Regierungstruppen kam es 15 Kilometer nördlich der umkämpften Provinzhauptstadt Goma. Die Menschen flohen in Kibati in Panik aus einem Flüchtlingslager, als sie Schüsse hörten und Hubschrauber über das Lager flogen. Nach Angaben des Sprechers der Uno-Mission im Kongo, Jean-Paul Dietrich, nahmen die Rebellen bereits am Donnerstag die Orte Nyanzale und Kikuku 80 Kilometer nordwestlich von Goma ein.

Die jüngsten Vorstöße der Rebellen hätten die Situation verschlimmert, sagte Ban in Nairobi. Es sei ein kritischer Zeitpunkt für die Region der Großen Seen und ganz Afrika erreicht. "Wir müssen den Kreislauf der Gewalt hinter uns lassen", sagte Ban. Der Präsident Tansanias und derzeitige Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Jakaya Kikwete, forderte alle Konfliktparteien auf, bereits geschlossene Waffenstillstandsabkommen umzusetzen.

An dem Krisengipfel nahmen unter anderen auch Kongos Präsident Kabila und sein ruandischer Kollege Paul Kagame sowie EU-Entwicklungskommissar Louis Michel teil. Direkte Gespräche zwischen Kabila und Kagame seien jedoch nicht geplant, sagte Michel. Kabila warf den Uno-Friedenstruppen Versagen vor. "Menschen werden abgeschlachtet, und die Monuc (Uno-Mission im Kongo) tat nichts", sagte ein Sprecher Kabilas am Rande des Gipfels. Er beschuldigte erneut den Nachbarstaat Ruanda, sich in den Konflikt mit den Rebellen einzumischen.

Menschenrechtler berichteten, die Rebellen von Nkunda und Kämpfer einer mit der Armee verbündeten Miliz hätten bei ihren jüngsten Gefechten bewusst auf Zivilisten geschossen. Dabei seien in der Stadt Kiwanja mindestens 20 Menschen getötet worden. Nach Uno-Angaben sind in der Region mittlerweile mehr als eine Viertelmillion Menschen auf der Flucht. Seit September hätten in Nord-Kivu 253.000 Menschen ihre Häuser verlassen, sagte die Sprecherin des Uno-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha), Elizabeth Byrs, in Genf.

Der im Krisengebiet verschleppte Reporter Thomas Scheen war nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" drei Tage in der Gewalt von regierungstreuen Mai-Mai-Milizen. Der Journalist und seine beiden kongolesischen Mitarbeiter seien seit Freitagmorgen in der Obhut der Uno-Friedenstruppen, teilte die "FAZ" mit. Nach Angaben von Herausgeber Berthold Kohler ging es ihnen "den Umständen entsprechend gut". Der 1965 im ostbelgischen Eupen geborene Scheen ist seit November 2000 als "FAZ"-Korrespondent in Afrika tätig und berichtet seit Anfang 2005 aus dem südafrikanischen Johannesburg.

asc/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.