Ostukraine Kiew bringt schwere Geschütze zurück an die Front

Es ist der blutigste Kampftag seit Monaten: Trotz der vereinbarten Feuerpause fährt die ukrainische Armee wieder schwere Waffen auf - angeblich als Reaktion auf eine Großoffensive der Separatisten.
Tränen in Donezk: Ein Mann steht vor den Trümmern seines zerstörten Geschäfts

Tränen in Donezk: Ein Mann steht vor den Trümmern seines zerstörten Geschäfts

Foto: Alexander Ermochenko/ dpa

Die Lage in der Ostukraine eskaliert: Die Militärführung in Kiew hat schwere Waffen an die Front zurückgebracht - trotz des Minsker Friedensabkommens. Damit wollte die Armee eine Offensive abwehren, die angeblich von den prorussischen Aufständischen in der Donbass-Region gestartet wurde.

Die Separatisten hätten beim Ort Marjinka mit rund tausend Kämpfern angegriffen, teilte der Generalstab in Kiew mit. "Die russischen Terroristen haben gegen 4 Uhr eine Großoffensive auf die ukrainischen Stellungen begonnen und damit das Abkommen von Minsk verletzt", erklärte der Generalstab. Mehr als zehn Panzer habe "der Feind" in Richtung Donezk geschickt.

Das Militär habe daraufhin Artillerie eingesetzt, "die sich bis dahin gemäß den Minsker Vereinbarungen im Hinterland befand", hieß es. Die Ukraine habe ihre internationalen Partner vorher informiert. Bei den Friedensgesprächen im weißrussischen Minsk Mitte Februar hatten sich die Konfliktparteien eigentlich darauf geeinigt, schweres Kriegsgerät abzuziehen.

Die Kiew-treuen Gesundheitsbehörden zählten sechs verletzte Zivilisten, auch mehr als elf Regierungssoldaten wurden den Angaben zufolge verletzt.

Die Separatisten wiederum berichteten von einem Beschuss durch die ukrainische Armee. Bei den Kämpfen sollen ihnen zufolge mindestens 15 Menschen getötet und rund 60 verletzt worden sein.

In der Konfliktregion Donbass gilt seit Februar eine Feuerpause, die aber brüchig ist. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten bereits vor Kurzem bei Kontrollen von 14 Sammelstellen auf beiden Seiten festgestellt, dass die dort vor einiger Zeit gelagerten schweren Waffen verschwunden seien. Es war unklar, ob die Raketenwerfer und Haubitzen zurück zur Frontlinie transportiert wurden.

Insgesamt wurden in dem Konflikt in den vergangenen 14 Monaten nach Uno-Angaben mehr als 6400 Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen in die Flucht getrieben.

kry/dpa/AFP
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