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19. Mai 2014, 17:09 Uhr

Ostukraine

Separatistenführer ruft Frauen zum Kampf auf

Ein Separatistenführer in Donezk beklagt in einer Videobotschaft die mangelnde Kampfbereitschaft der Bevölkerung: "Wo sind die jungen Kerle?" Jetzt sollen sich Frauen am Kampf gegen die ukrainische Armee beteiligen.

Donezk/Moskau - Die Separatisten in der Ostukraine halten die internationale Diplomatie zwar seit Wochen in Atem - doch offenbar mangelt es der prorussischen Bewegung an Unterstützung vor Ort.

Der "Verteidigungsminister" der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk", Igor Strelkow, hat jetzt die schlechte Kampfmoral in der Bevölkerung beklagt. Die Bewohner von Brennpunkten wie Slowjansk und Kramatorsk seien kaum bereit, zu den Waffen zu greifen, um ihre russisch geprägten Regionen zu verteidigen.

In einer Videobotschaft appelliert Strelkow an die Bevölkerung, sich dem Aufstand gegen die ukrainische Regierung in Kiew schleunigst anzuschließen - und das "russische Volk" zu retten.

Gegen Strelkow hat die EU Sanktionen verhängt . Er gilt als einer der Drahtzieher des Aufstands in der Ostukraine. Das erklärte Ziel seiner Kämpfer ist die Vernichtung der ukrainischen Truppen, die sich auf sein Territorium wagen. Er forderte die russische Armee auf, gegen die angebliche Bedrohung durch die Nato und die "Junta in Kiew" einzuschreiten.

"Nicht einmal tausend Männer"

Strelkow steht im Verdacht, im Auftrag des russischen Militärgeheimdiensts GRU zu handeln. Ermittler in Kiew vermuten, dass Strelkows bürgerlicher Familienname Girkin ist. Strelkow ist demnach abgeleitet von Strelok, dem russischen Wort für Schütze.

In der Videobotschaft zeigt sich Strelkow sichtlich enttäuscht - doch seine uninspirierte Anklage, die er vom Zettel abliest, dürfte die Massen auch nicht anstacheln. "Wo sind die jungen Kerle?", fragt Strelkow tief seufzend.

"Ich hätte nie gedacht, dass sich in der ganzen Region nicht einmal tausend Männer finden, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren", sagte Strelkow. Stattdessen machten es sich Hunderttausende in der Region vor dem Fernseher bequem und verfolgten die Kämpfe von zu Hause aus. Bisher kämpfe nur eine kleine Gruppe von Freiwilligen aus Russland und der Ukraine.

Appell an die Frauen

"Sie warten einfach auf die Armee aus Russland, die in der Lage ist, alles für sie zu tun", so der Separatistenführer, der die Männer als feige bezeichnet. Erst hätten viele Bürger gerufen: "Gebt uns Waffen!" Jetzt gebe es ganze Arsenale - und kaum einer greife zu, um russischen Boden zu verteidigen.

Wegen des Mangels an Kämpfern forderte Strelkow nun auch Frauen auf, sich den Reihen der schwer bewaffneten Uniformierten anzuschließen. Er rief auf zum blutigen Kampf gegen die Regierungstruppen, die auch wegen der guten Bezahlung von Oligarchen ihre "Anti-Terror-Operation" fortsetzten und zum Töten von Russen bereit seien.

Strelkows Clip hatte am Montag nach kurzer Zeit im Internet bereits mehr als eine Million Klicks bei YouTube.

Die ukrainische Führung hat die "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk zu Terrororganisationen erklärt. Zuletzt hatten sich auch Stahlarbeiter der Werke des Oligarchen den Separatisten in den Weg gestellt.

fab/dpa/Reuters

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