US-Student Warmbier gestorben Trump verurteilt Nordkorea

Donald Trump reagiert auffallend besonnen auf den Tod des Studenten Otto Warmbier nach langer Haft in Nordkorea. Andere Republikaner fordern Konsequenzen - die USA könnten dies nicht einfach hinnehmen.


Donald Trump wählte seine Worte mit Bedacht: "Es gibt nichts, das für Eltern tragischer ist, als der Verlust des eigenen Kindes, das mitten im Leben stand." So kondolierte der US-Präsident und mehrfache Vater gemeinsam mit seiner Frau Melania den Eltern von Otto Warmbier.

Der 22-Jährige ist nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Nordkorea gestorben. Die Diktatur in Pjöngjang hielt den Studenten aus Ohio 17 Monate in Haft - 15 Monate davon lag er im Koma, offenbar aufgrund einer schweren neurologischen Verletzung.

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Otto Warmbier ist tot: "Leider kein anderes Ergebnis möglich"

Warmbier war im Januar 2016 am Ende eines Bildungsurlaubs festgenommen und zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Die kommunistische Führung warf ihm Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vor. Er soll in einem Hotel ein Plakat von der Wand genommen haben, um es zu stehlen.

USA verurteilen "Brutalität des nordkoreanischen Regimes"

Seiner Freilassung vorausgegangen waren intensive diplomatische Bemühungen des US-Außenministers Rex Tillerson und des schwedischen Außenministeriums, das die Interessen der USA in Nordkorea vertritt.

Wie Warmbiers Eltern machte auch Präsident Trump Nordkorea für den Tod des jungen Mannes verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern", heißt es in der Mitteilung des Weißen Hauses.

Das US-Außenministerium bemüht sich unterdessen, weitere US-Bürger in nordkoreanischer Haft freizubekommen. Nach Ministeriumsangaben befinden sich derzeit noch drei US-Amerikaner in einem Gefängnis des kommunistischen Landes.

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Nordkorea: Otto Warmbier - Tod mit 22 Jahren

Wie Trump in seinem Kondolenzschreiben verurteilten auch dessen republikanischen Parteikollegen Marco Rubio und John McCain Nordkorea. Rubio, Senator aus Florida, erklärte, das Regime in Pjöngjang müsse zur Verantwortung gezogen werden.

John McCain, Polit-Urgestein aus Arizona, der einst selbst im Vietnamkrieg gefangen und gefoltert worden war, erklärte: "Nordkorea bedroht seine Nachbarn, destabilisiert die Asien-Pazifik-Region und entwickelt rasch die Technologie, um die USA mit Nuklearwaffen treffen zu können."

Nun habe das Land den Konflikt eskaliert, so McCain. "Die Vereinigten Staaten von Amerika können und sollten die Tötung ihrer Staatsbürger durch feindliche Kräfte nicht tolerieren."

Die Lage in der Region ist seit Monaten angespannt. Nordkorea verfügt über die viertgrößte Armee der Welt. Die Armee des Landes testete in den vergangenen Monaten ballistische Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen und feuerte mehrere Marschflugkörper in Richtung offenes Meer.

Die USA hingegen haben unter anderem zwei Flugzeugträger und ein Atom-U-Boot nach Südkorea verlegt. Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump Nordkorea beim G7-Gipfel in Italien als "Weltproblem" bezeichnet, das gelöst werde - "darauf können Sie wetten".

Der Uno-Sicherheitsrat hat unterdessen zu Beginn des Monates das Raketen- und Atomwaffenprogramm Nordkoreas verurteilt und erneut die Sanktionen gegen das Land ausgeweitet.

dbate-Videotagebuch aus Nordkorea

dop/dpa

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