Toter US-Student Nordkorea bestreitet Misshandlung von Warmbier
Transport von Otto Warmbier aus Nordkorea
Foto: BRYAN WOOLSTON/ REUTERSMehrere tausend Menschen haben im US-Bundesstaat Ohio an der Trauerfeier für den nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Haft verstorbenen Studenten Otto Warmbier teilgenommen. Die Feier fand am Donnerstag in der früheren Schule Warmbiers in Wyoming, einem Vorort von Cincinnati, statt.
Doch warum der 22-Jährige in Nordkorea ins Koma fiel, ist noch immer unklar. Das Regime um Machthaber Kim Jong Un hat sich jetzt erstmals offiziell zu dem Fall geäußert. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte am Freitag einen Text. Darin bestreitet Pjöngjang, Warmbier gefoltert oder grausam behandelt zu haben.
Warum der 22-Jährige plötzlich und innerhalb einer Woche nach seiner Rückkehr in die USA verstorben ist, "ist uns auch ein Rätsel", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag einen namentlich nicht genannten Sprecher des Außenministeriums. Warmbier sei "ein Opfer der Politik der strategischen Geduld" des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama: Dessen Regierung habe nie die Freilassung des Studenten beantragt.
Trauerfeier für Warmbier in Ohio
Foto: Bryan Woolston/ dpaNach nordkoreanischer Darstellung erlitt Warmbier eine Lebensmittelvergiftung und erhielt danach Schlafmittel, woraufhin er nicht mehr aufwachte. Laut den Angaben des Krankenhauses in Cincinnati, das den jungen Mann nach seiner Rückkehr behandelt hatte, hatte er schwere Hirnverletzungen von der Art, wie sie normalerweise durch einen Atemstillstand verursacht werden.
Warmbier war im März 2016 in Nordkorea zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden, weil er in einem Hotel ein Agitprop-Poster gestohlen haben soll. Kurz nach seiner Inhaftierung fiel er ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. In der vergangenen Woche wurde er von Nordkorea aus "humanitären Gründen" freigelassen. Der Student verstarb kurz nach seiner Ankunft in der Heimat.
Video: Der Fall Otto Warmbier
Die US-Gerichtsmedizin verzichtete auf Antrag der Eltern auf eine Autopsie von Warmbiers Leichnam. Stattdessen wurde dieser nur von außen untersucht. Warum die Eltern die Autopsie nicht wollten, wurde nicht bekannt. Die Familie prangerte in einem Statement die "schreckliche und qualvolle Behandlung" ihres Sohns durch die Nordkoreaner als Ursache seines Todes an.
Der Tod Warmbiers hat die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump verurteilte das "brutale Regime" in Pjöngjang und erklärte, er sei entschlossen, künftig "derartige Tragödien zu verhindern". In dem kommunistischen Land sind weiterhin drei Menschen mit US-Staatsbürgerschaft in Haft.