Freigelassener US-Bürger Warmbier erlitt in Nordkorea ernste neurologische Verletzung

Der amerikanische Student Otto Warmbier erlitt in der Gefangenschaft in Nordkorea eine ernste neurologische Verletzung. Wie kam es dazu? Die Familie zweifelt an der offiziellen Darstellung Pjöngjangs.
Vater Fred Warmbier

Vater Fred Warmbier

Foto: BILL PUGLIANO/ AFP

Der US-amerikanische Student Otto Warmbier hat während seiner 17 Monate langen Gefangenschaft in Nordkorea nach Angaben seines Vaters eine ernste neurologische Verletzung erlitten. Sein Sohn habe unter einem "brutalen, terroristischen Regime" gelitten, sagte Fred Warmbier bei einer Pressekonferenz. "Es gibt keine Entschuldigung dafür, wie die Nordkoreaner unseren Sohn behandelt haben, und keine Entschuldigung für die Weise, in der sie so viele andere behandelt haben."

Nordkorea hatte Otto Warmbier am Dienstag überraschend aus "humanitären Gründen" freigelassen, er wurde zunächst auf eine US-Militärbasis in Japan und danach in die USA geflogen. Warmbiers Zustand sei stabil, er werde am Medizinischen Zentrum der Universität von Cincinnati behandelt, sagte eine Sprecherin.

Nach Darstellung seiner Ärzte hat Warmbier schwere Gehirnverletzungen erlitten. Der Student habe in allen Bereichen seines Gehirns großflächige Schäden am Hirngewebe davongetragen, erklärte der Mediziner Daniel Kanter auf einer Pressekonferenz. Warmbier befinde sich in einem Zustand "reaktionsloser Wachheit". Er könne seine Augen öffnen und blinzeln. Es gebe aber keinerlei Anzeichen dafür, dass er auf Sprache oder Aufforderungen reagiere.

Ankunft von Warmbier in Cincinnati

Ankunft von Warmbier in Cincinnati

Foto: BRYAN WOOLSTON/ REUTERS

Warmbiers Eltern hatten in einem vom US-Fernsehsender CNN veröffentlichten Statement erklärt, ihr Sohn sei laut ihren Informationen bereits kurz nach seinem Prozess im März 2016 ins Koma gefallen. Zuvor sei ihm eine Schlaftablette verabreicht werden, danach sei er nicht mehr aufgewacht. Vom Zustand ihres Sohnes hätten sie erst vor einer Woche erfahren.

Nordkorea behauptet, Warmbier sei an Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht. Das hält der Vater nicht für glaubwürdig.

Weitere US-Bürger in Gefangenschaft

Warmbier war im März 2016 zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Die nordkoreanische Justiz hatte ihm Straftaten gegen den Staat vorgeworfen. Konkret soll er in einem Hotel ein Plakat von der Wand genommen haben, um es zu stehlen. Die Familie hält das für vorgeschoben.

Die Beziehungen zwischen Washington und Nordkorea sind wegen des Streits um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm angespannt. Derzeit sind drei weitere US-Bürger in nordkoreanischer Gefangenschaft.

Im April etwa wurde Kim Sang Duk, auch Tony Kim genannt, vor seiner Ausreise am Flughafen von Pjöngjang verhaftet. Der Dozent hatte mehrere Wochen lang an einer Eliteuniversität der nordkoreanischen Hauptstadt gelehrt. Ihm werden "kriminelle feindselige Handlungen zum Umsturz" zur Last gelegt. Laut US-Außenminister Rex Tillerson bemüht sich sein Ministerium um seine Freilassung und ist in Gesprächen mit der Regierung von Diktator Kim Jong Un.

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brk/Reuters/dpa
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