Fotostrecke

Ehepaar Guttenberg: Blitzbesuch in Kunduz

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Paarlauf in Afghanistan Opposition wettert gegen Guttenbergs "PR-Reise"

Die Ehefrau ist mit dabei, Moderator Kerner ebenfalls - mit seiner Reise nach Afghanistan zieht sich Verteidigungsminister Guttenberg massiven Unmut der Opposition zu. Sie hält die Visite für eine Inszenierung auf Kosten der Soldaten. Die Rede ist von einer "Ken-und-Barbie-zu-Guttenberg-Soap".

Karl-Theodor zu Guttenberg

Berlin - Seit Montagmorgen ist mal wieder in Afghanistan. Auf Weihnachtsbesuch bei den Soldaten. Es ist die siebte Reise des Verteidigungsministers an den Hindukusch, doch so viel Glamour war noch nie: Seine Ehefrau Stephanie ist mit dabei, Talkmaster Johannes B. Kerner hat eigens ein ganzes TV-Studio ins Land fliegen lassen, um den CSU-Star zu interviewen.

Showeinlage am Hindukusch? Eins ist schon jetzt klar: Der Besuch spaltet das politische Berlin. Die Opposition hält die Entourage des Ministers für eine politische Geschmacklosigkeit, für eine Selbstinszenierung auf Kosten der Soldaten. Aus den eigenen Reihen wird Guttenberg gelobt.

"Ich halte das für absolut unangemessen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag nach der Vorstandssitzung seiner Partei. "Ich staune über die Art solcher Besuche. Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch. Da hätten wenigstens die Soldaten was davon", frotzelte er in Anspielung auf die schillernde TV-Entertainerin.

Noch schärfer attackierten die Genossen in Baden-Württemberg den Minister. "Es ist eine Verhöhnung ihrer schwierigen Aufgabe, wenn unsere Soldatinnen und Soldaten als Statisten für die Weihnachtsfolge der 'Ken-und-Barbie-zu-Guttenberg-Soap' herhalten müssen", sagte der Generalsekretär der SPD im Ländle, Peter Friedrich, SPIEGEL ONLINE: "Afghanistan ist kein Ort für Showeinlagen."

Guttenberg verteidigt sich

Harte Worte, die der Minister jedoch an sich abtropfen lässt. "Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen", sagte Guttenberg SPIEGEL ONLINE kurz vor seinem Rückflug von Masar-i-Scharif nach Deutschland.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Opposition dem Minister Selbstinszenierung vorwirft. Ähnlich scharf wurde die Debatte nach einem Besuch am New Yorker Times Square geführt, wo Guttenberg im März 2009 als frischer Wirtschaftsminister vor leuchtendem Hintergrund siegesgewiss die Arme ausbreitete. Auch an Aufnahmen aus einem Truppentransporter der Bundeswehr über Afghanistan, wo Guttenberg in Licht und Zentrum steht, umgeben von Soldaten, stießen sich seine Kritiker. Klar ist: Der CSU-Politiker weiß um die Macht der Bilder. Dafür spricht auch, dass er darauf achtet, welche Fotografen ihn begleiten.

Guttenbergs Reise kommt just zum Beginn der Diskussion um das neue Afghanistan-Mandat für die Bundeswehr. Am Wochenende hatte das Auswärtige Amt allen Bundestagsabgeordneten den sogenannten "Fortschrittsbericht" über den Stand des deutschen und internationalen Engagements in Afghanistan zugesandt. Am Donnerstag will Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit einer Regierungserklärung für die Fortsetzung des bisherigen Mandats von 5000 Soldaten und einer Reserve von 350 Mann werben.

Doch plötzlich stehen weniger die Details der künftigen Afghanistan-Politik im Mittelpunkt des Interesses als die Frage nach dem politischen Stil eines Ministers.

"Die Soldaten werden doppelt missbraucht"

Neben der SPD ist auch die Linke über die Reiseumstände des Christsozialen empört. "Afghanistan ist das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eignet", sagte Fraktionschef Gregor Gysi dem "Tagesspiegel": "Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig." Guttenbergs Selbstinszenierung werde dem Ernst der Lage in Afghanistan in keiner Weise gerecht. "Die Soldaten werden so gleich doppelt missbraucht: für einen falschen Krieg und nun auch noch als Staffage auf den heimatlichen Bildschirmen."

Rückendeckung bekam Guttenberg aus der CDU. Generalsekretär Hermann Gröhe verteidigte ihn gegen die massive Kritik. Er finde es "richtig und durchaus in die Zeit vor Weihnachten passend, dass es einen starken, auch persönlich emotionalen Beitrag der Solidarität mit den Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan" gebe, so Gröhe.

Aber gehört dazu auch eine Talkshow-Produktion? Guttenberg selbst wies auch Kritik daran zurück. Ausdrücklich dankte er in Afghanistan Moderator Johannes B. Kerner für die Produktion der Sendung über den Einsatz der Bundeswehr, die am kommenden Donnerstag ausgestrahlt wird und in der mehrere aktive und ehemalige Soldaten in Filmbeiträgen zu Wort kommen. Aus Sicht des Ministers wird durch die Sendung "ein weiteres Stück Realität des Einsatzes der Bundeswehr" für die Bevölkerung zu Hause sichtbar, diese Vermittlung sei jahrelang zu kurz gekommen.

Die Soldaten in Masar-i-Scharif schienen diese Meinung zu teilen, sie jedenfalls applaudierten Kerner.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.