Pakistan 19-jähriger Bhutto-Sohn übernimmt Partei

Er ist gerade 19 Jahre alt und soll das politische Testament seiner Mutter vollstrecken: Bilawal Bhutto, Sohn der ermordeten Oppositionspolitikerin, führt künftig die Pakistanische Volkspartei. Ihm zur Seite steht sein Vater, Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari.


Naudero - Pakistans oppositionelle Volkspartei (PPP) hat nach der Ermordung ihrer Chefin Benazir Bhutto deren 19-jährigen Sohn Bilawal zum neuen Vorsitzenden ernannt. Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari sei neben Bilawal zum stellvertretenden Parteichef bestimmt worden, teilte ein Parteisprecher heute am Rande einer Sitzung der Parteiführung in Naudero mit. Bhutto wurde am Donnerstag bei einem Anschlag getötet.

Benazir Bhuttos Sohn Bilawal: Er wird das politische Erbe seiner Mutter verwalten
AP

Benazir Bhuttos Sohn Bilawal: Er wird das politische Erbe seiner Mutter verwalten

Die Abgeordneten der PPP waren heute im Haus der Familie Bhutto zusammengekommen, um über einen Nachfolger der ermordeten Oppositionsführerin und eine Teilnahme an der bevorstehenden Parlamentswahl zu beraten.

Vor dem Haus in Naudero bei Larkana in der Provinz Sindh hatten sich Tausende Anhänger Bhuttos versammelt, die regierungsfeindliche Sprechchöre riefen. Die Menge warf Präsident Pervez Musharraf vor, in den Mordanschlag verwickelt zu sein. Auch wurden Forderungen nach einer Loslösung der Provinz Sindh vom übrigen Pakistan laut.

Bhuttos Witwer Zardari sagte der Menge: "Benazir Bhutto hat ihr Leben für dieses Land und für die Demokratie geopfert. Aber ihr Blut wird nicht umsonst vergossen sein. Bhutto wird in den Herzen des Volkes weiterleben."

Zardari und sein Sohn werden nun die einflussreiche politische Dynastie der Bhuttos fortsetzen. Benazir Bhuttos Vater Zulfikar Ali Bhutto war bei den ersten freien Wahlen Pakistans 1970 Ministerpräsident geworden. Er hatte 1968 die PPP gegründet. 1977 wurde Zulfikar Ali Bhutto von General Zia-ul Haq gestürzt und trotz internationaler Proteste auf dessen Befehl 1979 hingerichtet. Er wird seither von seinen Anhängern als Märtyrer verehrt.

Während der Haft übernahm Zulfikars zweite Frau, Nusrat Bhutto, den Vorsitz der Partei. Sie wurde wiederholt unter Hausarrest gestellt und ging schließlich ins Exil. Sie ist heute schwer krank und bettlägerig. Zulfikar und Nusrat Bhutto hatten vier Kinder. Nach dem Tode Benazirs lebt davon nur noch ihre Schwester Sanam, die sich aus der Politik heraushält.

Beide Brüder Benazirs sind unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Der jüngere, Shahnawaz, wurde 1985 tot in seiner Wohnung an der französischen Riviera aufgefunden. Benazir war überzeugt, dass er vergiftet wurde. Der Ältere, Murtaza, wurde gemeinsam mit sechs Freunden bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei 1996 in Karatschi getötet. Seine Familie sprach von einem gezielten Angriff.

Benazir wurde neben ihrem Vater und ihren beiden Brüdern im Familienmausoleum in Ghari Khuda Bakhsh in der Nähe des Familiensitzes bei Larkana beigesetzt. Benazir berief ihren Mann Asif Ali Zardari 1993 als Industrieminister in ihr Kabinett. Der ehemalige Zementfabrikant gehörte bislang schon zur Führungsspitze der PPP.

Kinder lebten mit Mutter im Exil

Das Paar, das 1987 geheiratet hat, hat drei Kinder: neben Bilawal die 17-jährige Bakhtawar und die 14-jährige Aseefa. Die drei Geschwister lebten mit ihrer Mutter bis zu deren Rückkehr vor rund zwei Monaten im Exil in Dubai.

Bilawal sollte heute in Naudero den letzten Willen seiner Mutter verlesen. Nach Angaben einer früheren engen Mitarbeiterin Bhuttos zeigte der junge Mann eigentlich wenig Interesse am Parteivorsitz, für den er zuvor schon als Favorit galt. "Es ist nicht sehr scharf darauf, hier die politische Bühne zu betreten", sagte Sherry Rehman. Derzeit studiert Bilawal in Oxford. Vorstellbar ist, dass Bilawals Vater als Vize-Vorsitzender der Partei zunächst auch für die täglichen Amtsgeschäfte zuständig ist, bis der Sohn sein Studium in England beendet hat. Dies berichtete der Fernsehsender Aaj TV.

Bilawal stand politisch bisher nicht in der Öffentlichkeit. In den wenigen Interviews, die er gab, hatte er sich jedoch stets für eine Demokratisierung seiner Heimat eingesetzt. Wie sein Vater soll er sich für Pferde- und Schießsport interessieren. Körperlich hält sich der 19-Jährige mit Taekwondo fit - er hat den schwarzen Gürtel.

Die pakistanische Regierungspartei PML-Q hat indes angedeutet, dass mit einer Verschiebung der für den 8. Januar angesetzten Parlamentswahl zu rechnen ist. Wenn man an dem geplanten Termin festhalten würde, würde die Wahl erheblich an Glaubwürdigkeit verlieren, sagte PML-Q-Sprecher Tariq Azim. Er erwartete, dass die Verschiebung innerhalb der nächsten 24 Stunden bekanntgegeben werde. "Ich denke, wir werden eine Verzögerung von wenigen Wochen oder von drei bis vier Monaten sehen", sagte Azim.

Die Partei des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif, die Pakistanische Muslimliga (PML-N), erklärte sich zu einer Teilnahme an der Wahl im Januar bereit, falls auch die PPP bei den Wahlen antreten sollte. Bislang hatte Sharif mit einem Wahlboykott gedroht.

phw/Reuters/AP/dpa/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.