Pakistan Auch Frauen und Kinder in Roter Moschee getötet

Entgegen der bisherigen Darstellung sind bei der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad mindestens 15 Frauen und Kinder getötet worden. Von offizieller Stelle war dies bislang bestritten worden. Insgesamt sind bei der Erstürmung mehr als 100 Menschen gestorben.

Islamabad - Die Zeitung "Dawn" berichtet, bis zu 60 der 75 bei der Militäraktion Getöteten seien militante Islamisten gewesen. Die übrigen Todesopfer seien jedoch Frauen und Kinder. Die Zeitung beruft sich auf Innenstaatssekretär Kamal Shah. Zunächst hatte es offiziell geheißen, es seien ausschließlich Militante getötet worden. Augenzeugen hatten nach der Aktion von mehreren hundert Toten berichtet. Die offiziellen Angaben sprechen bislang von 102 Opfern, darunter elf Soldaten.

Kritiker werfen der Regierung vor, die wahre Zahl der Opfer zu verschleiern, weil man Empörung in der Öffentlichkeit fürchte. Die Regierung hatte vor der Erstürmung des Gebäudekomplexes noch mitgeteilt, in der Gewalt der verschanzten Islamisten seien zahlreiche Frauen und Kinder. Bei den Behörden seien inzwischen zahlreiche Anzeigen über vermisste Koranschüler eingegangen.

Im Norden Pakistans scheint sich unterdessen eine Widerstandsbewegung zu formieren, die von den Ereignissen um die Rote Moschee angefacht wird. Mindestens acht Soldaten der pakistanischen Armee sind am Samstag bei einem Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi getötet worden. Ein Selbstmordattentäter hatte offenbar ein mit Sprengstoff vollgepacktes Fahrzeug zur Kollision mit einem Militärfahrzeug gebracht. Die Opfer waren mit einem Militärkonvoi auf einer Straße nahe dem Dorf Daznaray unterwegs, etwa 50 Kilometer nördlich von Miran Shah, der größten Stadt in der Region. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus transportiert, so ein Militärsprecher.

Pakistan hat Tausende von Soldaten in verschiedene Regionen im Nordwesten in Marsch gesetzt, um militante Islamisten unter Druck zu setzen, die sich auf einen Angriff auf die Regierung in Islamabad vorbereiten. Militärvertreter sprachen in Islamabad von einem "heiligen Krieg", den die Islamisten als Vergeltung für die Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad planten. Ein Mann, der sich selbst als Sprecher der Militanten in dieser Region bezeichnet, forderte von der Regierung die Entfernung aller militärischen Kontrollpunkte in der Region Nord-Wasiristan. Sie verstießen gegen ein Abkommen zwischen der Regierung und Stammesältesten aus dem Jahr 2005.

cis/dpa/AFP/AP/rtr

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