Pakistan Bauunternehmer von Bin-Laden-Haus festgenommen

Wurde das Anwesen, in dem sich Osama Bin Laden versteckt hielt, eigens für den Qaida-Chef errichtet? Der Bauunternehmer wurde von der pakistanischen Polizei festgenommen. Die Regierung in Islamabad erhebt neue Vorwürfe gegen westliche Geheimdienste.

AP

Islamabad/Paris - Der Unternehmer, der den Bau des Unterschlupfes für den getöteten Qaida-Chef Osama Bin Laden verantwortet hat, ist von Sicherheitsbeamten festgenommen worden. Die Behörden wollen herausfinden, ob das massiv gesicherte Anwesen mit dem dreistöckigen Wohnhaus eigens als Versteck für das Terrornetz al-Qaida errichtet worden sei, sagte am Mittwoch ein Polizeisprecher in der Stadt Abbottabad. Gesucht werde zudem nach dem Eigentümer, der den Bau im Jahr 2005 in Auftrag gegeben haben soll.

Pakistans Regierung ist derzeit bemüht, Vorwürfen zu begegnen, das Land würde im Anti-Terror-Kampf nur halbherzig vorgehen. Nach Ansicht Pakistans haben auch die westlichen Geheimdienste bei der jahrelangen Jagd auf Osama Bin Laden keine gute Figur gemacht.

Dass sich der Qaida-Chef unweit einer pakistanischen Militärakademie verstecken konnte, zeuge von einem Scheitern der Aufklärungsarbeit weltweit, sagte Premierminister Yousuf Raza Gilani am Mittwoch bei einem Besuch in Paris. Das schließe auch die Dienste der USA ein. Der Westen solle keine "negativen Nachrichten" über sein Land verbreiten, sagte Gilani.

Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA erhob schwere Vorwürfe gegen den pakistanischen Geheimdienst ISI: Dieser habe schon lange die Hand über Bin Laden gehalten, sagte der CIA-Mann der Nachrichtenagentur dapd. In Kreisen des afghanischen Geheimdienstes NDS wird diese Einschätzung geteilt. Der CIA-Mann sagte sogar, dass Bin Laden seit dem Krieg gegen die sowjetischen Besatzer Afghanistans in den achtziger Jahre ein "Kind des ISI gewesen ist". Da könne sich die pakistanische Regierung gegen die Vorwürfe, dass ihr Geheimdienst Bin Laden gedeckt habe, noch so wehren. "Unsere Erkenntnisse sprechen eine andere Sprache."

Der Chef und Gründer des Terrornetzwerks al-Qaida war in der Nacht zum Montag von einer US-Spezialeinheit in seinem Anwesen in Abbottabad aufgespürt und getötet worden. Die pakistanischen Behörden wurden erst nach dem Angriff über die Mission informiert. Danach wurde Kritik an Pakistan laut, dass Bin Laden so lange scheinbar unbemerkt in Abbottabad habe leben können. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hatte zuvor zugegeben, dass Bin Laden an einem Ort von einer US-Spezialeinheit getötet wurde, an dem man ihn nicht vermutet habe.

Allerdings hat Pakistan nach Angaben des Außenministeriums die USA bereits 2009 über das Anwesen im pakistanischen Abbottabad als möglichem Versteck von Osama Bin Laden informiert. Der pakistanische Geheimdienst habe die US-Geheimdienste auf das Gelände aufmerksam gemacht. Diese hätten die nötige Ausrüstung gehabt, der Sache nachzugehen, sagte der Staatssekretär im pakistanischen Außenministerium, Salman Bashir, am Mittwoch der britischen BBC. Jedoch sei damals keinesfalls klar gewesen, dass sich der nun getötete Terrorchef dort aufhalte und es habe Millionen andere mutmaßliche Verstecke gegeben, fügte Bashir hinzu.

Die Aussage der CIA vom Dienstag, die pakistanischen Behörden seien deshalb nicht vorab über den Angriff auf Bin Laden informiert worden, weil die Gefahr bestanden habe, er könne gewarnt werden, wies Bashir zurück. "Was den Erfolg im globalen Anti-Terror-Kampf betrifft, so hat Pakistan da eine entscheidende Rolle gespielt, deshalb finden wir solche Kommentare etwas beunruhigend", sagte er der BBC. Pakistan habe eine breite Zusammenarbeit mit den USA und besonders mit der CIA.

Nach Ansicht von Premierminister Gilani verdient Pakistan mehr Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, der das Problem Nummer eins des Landes sei. "Sicherheit und Extremismusbekämpfung sind nicht Aufgabe einer einzelnen Nation", betonte Gilani am Rande eines Treffens mit französischen Unternehmensvertretern. Pakistan brauche die Hilfe der ganzen Welt.

Frankreichs Außenminister Alain Juppé hatte sich vor einem Treffen mit Gilani am Dienstagabend äußerst kritisch über die pakistanische Position im Kampf gegen Bin Laden und dessen Anhänger geäußert. Es mangele an Klarheit, sagte der Minister. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollte Gilani am späten Mittwochnachmittag zu einem Gespräch empfangen.

Auch aus Afghanistan kommt nun Kritik an Pakistan. Der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, General Mohammed Zahir Azimi, sagte am Mittwoch, der pakistanische Geheimdienst hätte wissen müssen, wer in dem Haus in Abbottabad gelebt habe, weil sich direkt nebenan eine Militärakademie befinde.

ffr/dpa/AFP/dapd

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Greg84 02.05.2011
1.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
2. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission "Krieg gegen Terror" zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
3. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
Hubatz 02.05.2011
4. Beweise
Dieser Mann ist ein Mysterium. Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien aber Beweisfotos oder besser Videos würden mich erfreuen.
lucario.75 02.05.2011
5. bin laden
Die Fernsehbilder der Freude hunderter Amerikaner, (nachvollziehbar) werder viele radikale Islamisten für ihre Propaganda nutzen um die Angst der Menschen auf der ganzen Welt weiter zu schüren und Terroranschläge zu planen. Ich selber Wohne nur ein paar Strassen weiter wo vor ein paar tagen Terroristen festgenommen worden sind, die konkrete Anschlägen zu Zeitnahen Ereignissen mit erheblichen Menschenaufkommen verübt werden sollte.
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