Pakistan Bruder von Nawaz Sharif soll neuer Premier werden

Wegen Korruptionsvorwürfen war Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif zurückgetreten - jetzt soll sich sein Bruder um das Amt bewerben.

Plakat mit Ex-Premier Nawaz Sharif (links) und Bruder Shahbaz Sharif
AFP

Plakat mit Ex-Premier Nawaz Sharif (links) und Bruder Shahbaz Sharif


Übergangsregierungschef werde zunächst Ex-Ölminister Shahid Khaqan Abbasi - langfristig soll aber sein Bruder Shabaz das Amt übernehmen. Das teilte der pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif mit, der am Freitag wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt worden war.

Es werde "einige Zeit" brauchen, bis sich sein Bruder um das Amt des Regierungschefs bewerben könne, sagte Sharif in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache vor seiner Partei. Der 65-jährige Bruder des PML-N-Parteichefs hat noch keinen Sitz im nationalen Parlament und müsste erst für einen Parteifreund nachrücken, um sich zur Wahl stellen zu können. Auch die Opposition kann einen Kandidaten für die Nachfolge des Regierungschefs aufstellen. Sie hat aber kaum Aussichten auf Erfolg, da die PML-N die Mehrheit im Parlament stellt.

Shabaz Sharif ist derzeit Regierungschef der Provinz Punjab, die mehr als 100 Millionen Einwohner hat und Machtbasis des Sharif-Klans ist; er ist hier als kompetenter Verwalter bekannt. In Punjab, wo er zum dritten Mal Chef-Minister ist, hat er große Infrastrukturprojekte und Programme für Bildung und Gesundheit umgesetzt. Er soll auch gute Beziehungen zum mächtigen Militär haben.

Sein älterer Bruder Sharif war am Freitag vom Obersten Gerichtshof abgesetzt worden. Zum Verhängnis wurden dem 67-Jährigen Enthüllungen aus den "Panama Papers". Diese bringen nicht Sharif selbst, aber drei seiner Kinder in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Seine Tochter Maryam und seine Söhne Hasan und Hussein sollen demnach Briefkastenfirmen betrieben haben. Der Regierungschef habe sich nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen für seine Aufgabe "disqualifiziert", urteilte das Gericht.

Die mehr als elf Millionen Dokumente der Finanzkanzlei Mossack Fonseca waren im vergangenen Jahr durch einen internationalen Rechercheverbund bekannt geworden.

eth/AFP/dpa



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