Urteil in Pakistan Christliches Paar wegen Blasphemie zum Tode verurteilt

Erneut sind Christen in Pakistan zum Tode verurteilt worden: Ein Imam wirft einem Ehepaar vor, gotteslästerliche Textnachrichten verschickt zu haben. Der Blasphemievorwurf wird bei Streitigkeiten gerne als Waffe eingesetzt.


Islamabad - Ein Gericht in Pakistan hat ein christliches Ehepaar wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Vorwurf eines Imams: Der 38-jährige Mann und seine 42-jährige Frau sollen blasphemische Textnachrichten verschickt haben. Deswegen war das Paar im vergangenen Juli festgenommen worden.

"Sie haben geweint, als der Richter ihnen sagte, dass sie durch den Strang sterben werden", sagte Farrukh Saif. Der Leiter der Organisation World Vision in Progress, die die Rechte religiöser Minderheiten in Pakistan unterstützt, will das Urteil so nicht akzeptieren und kündigte an, in Berufung zu gehen.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Gericht in Lahore einen Angehörigen der christlichen Minderheit wegen Schmähung des Islam zum Tode verurteilt. Ein Jahr nachdem Vorwürfe gegen einen 28-jährigen Christen laut wurden, er habe sich häufiger beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert, fiel das umstrittene Urteil. Die Beschuldigung allein hatte genügt, um einen Mob von mehreren tausend Randalierern zu mobilisieren, die schlugen, Steine warfen und Häuser anzündeten.

Die Beleidigung des Propheten ist in Pakistan eine ernsthafte Anschuldigung, die mit Haft oder sogar mit Todesstrafe geahndet werden kann. Zwar wurde noch nie ein wegen Blasphemie zum Tode Verurteilter tatsächlich hingerichtet, doch oft werden die Beschuldigten Opfer von Lynchjustiz. Der Blasphemievorwurf wird bei Streitigkeiten gerne als Waffe eingesetzt.

vek/dpa

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