Geldwäschevorwürfe Pakistans Ex-Präsident Zardari in Islamabad verhaftet

Mit Asif Ali Zardari muss in Pakistan der nächste Politiker ins Gefängnis. Dem Ex-Präsidenten wird Geldwäsche vorgeworfen. Doch Kritiker der Regierung vermuten etwas anderes hinter den Festnahmen

Asif Ali Zardari vor dem Gericht in Islamabad
Farooq NaeemAFP

Asif Ali Zardari vor dem Gericht in Islamabad


Es geht um Geldwäsche, um falsche Konten, um Bestechung: Der pakistanische Ex-Präsident Asif Ali Zardari ist verhaftet worden. Das bestätigte ein Sprecher der für die Korruptionsbekämpfung zuständigen Nationalen Rechenschaftsbehörde (NAB), Mohammad Bilal Khan. Kurz vor der Festnahme in seinem Haus in Islamabad hatte ein Gericht in der Hauptstadt ein Kautionsgesuch Zardaris abgelehnt.

In den Geldwäschefall um Zardari sollen 170 Personen involviert sein, darunter seine Schwester, sein Sohn und mehrere Mitglieder der Pakistanischen Volkspartei PPP, dessen Vizechef Zardari ist. Laut Angaben der NAB sollen "Millionen US-Dollar" über gefälschte Bankkonten gewaschen worden sein.

Zardari war in der Vergangenheit bereits mehrere Jahre wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis, wurde aber letztlich nie schuldig gesprochen. Aufgrund seiner angeblichen Bestechlichkeit hatte Zardari in der Bevölkerung den Spitznamen "Herr Zehn Prozent".

Zardari ist der Witwer der 2007 ermordeten Ex-Premierministerin Benazir Bhutto. Er war von 2008 bis 2013 Präsident Pakistans. Die Volkspartei PPP hatte er nach der Ermordung seiner Frau übernommen, heute führt sie ihr gemeinsamer Sohn Bilawal Bhutto Zardari. Asif Ali Zardari ist Mitglied des Parlaments.

Proteste angekündigt

Die oppositionelle PPP hatte Proteste mit Straßensperren angekündigt, sollte Zardari verhaftet werden. Ein Sprecher der PPP rief Parteianhänger am Montag dazu auf, friedlich zu bleiben.

Mehrere Oppositionspolitiker, darunter der dreimalige Ministerpräsident Nawaz Sharif, sind aktuell in Pakistan im Gefängnis. Die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan begründet dies mit einem harten Kurs gegen Korruption. Die Opposition sieht die Vorwürfe politisch motiviert.

Sharif und Zardari gelten als Verfechter ziviler Herrschaft in dem Land, das fast die Hälfte seiner Geschichte vom Militär regiert wurde. Die Partei von Premier Khan gilt bei Experten als militärfreundlich. Dem Analysten Irfan Shehzad zufolge "scheinen die Festnahmen von Oppositionspolitikern Teil von Bemühungen zu sein, das politische Gleichgewicht zugunsten von Parteien zu ändern, die militärische Kontrolle akzeptieren".

Oppositionspolitiker sagten zudem am Montag, die Verhaftung sei eine Reaktion auf geplante Proteste gegen die Regierung. Diese steht wegen einer schweren Wirtschaftskrise und bevorstehenden Budgetkürzungen in der Kritik.

kev/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.