Pakistan Extremisten greifen US-Konsulat in Peschawar an

Eine Gruppe von Bewaffneten hat das amerikanische Konsulat in der pakistanischen Metropole Peschawar angegriffen. Aus der Gegend wurden heftige Schusswechsel und Explosionen gemeldet, es gab mehrere Tote. Dutzende Menschen starben bei einem weiteren Anschlag in der Provinz.

AFP

Peschawar - Bewaffnete Extremisten haben gezielt das US-Konsulat angegriffen. Nach Polizeiangaben kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Zunächst waren heftige Schusswechsel zu hören. Wenig später explodierten allein rund um das Gebäude mindestens vier Sprengsätze. Durch die Wucht der Explosionen sei das US-Konsulat beschädigt worden.

Den Meldungen zufolge sind "acht bis zehn" Angreifer an der Aktion beteiligt. "Ich habe die Angreifer in zwei Autos kommen sehen", berichtet ein Augenzeuge. "Einige von ihnen hatten Panzerfäuste dabei. Zuerst haben sie das Feuer auf das Sicherheitspersonal am Kontrollposten des Konsulats eröffnet, dann waren mehrere Explosionen zu hören."

Die pakistanischen Taliban bekannten sich zu der Attacke. "Amerikaner sind unsere Feinde, wir haben den Angriff auf das Konsulat durchgeführt", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Taliban-Sprecher Azam Tariq.

Die US-Botschaft in Islamabad mochte bisher keinen Kommentar zu den Meldungen abgeben. Das Konsulat ist eine von nur drei ausländischen Vertretungen in Peschawar. Das Gebäude ist schwer gesichert. Wie viele Menschen dort arbeiten, ist unklar.

3200 Tote bei Anschlägen in zweieinhalb Jahren

Peschawar ist die Hauptstadt der Nordwest-Grenzprovinz. Unmittelbar vor dem Angriff auf das Konsulat hatte sich in der zu der Provinz gehörenden Region Lower Dir ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mindestens 41 Menschen mit in den Tod gerissen. Dutzende weitere seien zum Teil schwer verletzt worden, als sich der Mann während einer Großveranstaltung der regierenden Awami-National-Partei (ANP) in die Luft sprengte, sagte ein Polizeisprecher.

Die Region im Nordwesten Pakistans gilt als eine Hochburg radikalislamischer Extremisten. Peschawar ist in der Vergangenheit immer wieder von heftigen Anschlägen erschüttert worden. Anhänger von al-Qaida und Taliban haben schon seit langem immer wieder angekündigt, für die US-Raketenangriffe auf ihre Stellungen in Pakistan Vergeltung üben zu wollen. Aus Washington kamen zudem Hilfen in Milliardenhöhe für die pakistanische Armee, die inzwischen auch rigoroser gegen die Aufständischen vorgeht.

In Pakistan wurden in den vergangenen zweieinhalb Jahren über 3200 Menschen bei Anschlägen getötet. Die meisten waren von Taliban-Kämpfern verübte Selbstmordattentate. Ziel waren meist Soldaten, Polizisten oder öffentliche Gebäude. Zunehmend sind aber auch Zivilisten von den Anschlägen betroffen.

ffr/apn/AFP/Reuters/AP/dpa

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Toru_Okada 15.12.2009
1.
Zitat von sysopFast wöchentlich erschüttern Terroranschläge Pakistan. In wenigen Wochen starben mehr als 400 Menschen. Das Land ist zum Rückzugsgebiet für Terroristen geworden, trotz Offensiven der pakistanischen Armee in Waziristan. Wie geht es weiter in dem Land?
Wie sieht Pakistans Zukunft aus? Bombig?
Ernst August 15.12.2009
2.
Zitat von Toru_OkadaWie sieht Pakistans Zukunft aus? Bombig?
Nun ja. Wie bereits von mir berichtet in Pakistan sind viele Bürger und Offizielle davon überzeugt das die meisten Anschläge von US Privatkillern und angeworbenen begangen werden (es gibt Verhaftungen und Untersuchungen in der Richtung). Laut dem folgenden Artikel drängen die USA Pakistan zu immer mehr Bürgerkrieg und drohen die Drohnenangriffe auch auf die Großstädte auszuweiten. Eigentlich sollte Jedem klar sein wozu die Truppenaufstock wirklich dient und das sie sich kaum gegen die Taliban richtet die man über Jahre mit 350000 Mann gut unter Kontrolle hatte. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31730/1.html
durchblick 15.12.2009
3.
Zitat von Ernst AugustNun ja. Wie bereits von mir berichtet in Pakistan sind viele Bürger und Offizielle davon überzeugt das die meisten Anschläge von US Privatkillern und angeworbenen begangen werden (es gibt Verhaftungen und Untersuchungen in der Richtung). Laut dem folgenden Artikel drängen die USA Pakistan zu immer mehr Bürgerkrieg und drohen die Drohnenangriffe auch auf die Großstädte auszuweiten. Eigentlich sollte Jedem klar sein wozu die Truppenaufstock wirklich dient und das sie sich kaum gegen die Taliban richtet die man über Jahre mit 350000 Mann gut unter Kontrolle hatte. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31730/1.html
Diese Ansicht kann ich nur uneingeschraenkt zustimmen.
lupenrein 15.12.2009
4.
Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass die USA&Co inzwischen nur noch wegen Pakistan in Afghanistan stehen. Von Afghanistan droht ihnen nicht mehr die geringste Gefahr, sehr wohl aber von Pakistan.
Andreas Henn, 15.12.2009
5.
Zitat von sysopFast wöchentlich erschüttern Terroranschläge Pakistan. In wenigen Wochen starben mehr als 400 Menschen. Das Land ist zum Rückzugsgebiet für Terroristen geworden, trotz Offensiven der pakistanischen Armee in Waziristan. Wie geht es weiter in dem Land?
Nicht Rückzugsgebiet, sondern, zumindest in bestimmten Landesteilen, Ursprungsgebiet.
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