Pakistan gegen Indien Eine Million Soldaten in Alarmbereitschaft

Pakistan hat sein Truppenkontingent im Kaschmir-Konflikt weiter verstärkt. Soldaten wurden von der Grenze zu Afghanistan abgezogen, um sie in dem Krisengebiet gegen Indien einsetzen zu können. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld soll nun zwischen den beiden Atommächten vermitteln.


Indien: Soldaten auf dem Weg zur pakistanischen Grenze
AP

Indien: Soldaten auf dem Weg zur pakistanischen Grenze

Neu-Delhi/Islamabad - "Unsere Sicherheit steht an erster Stelle", sagte Pakistans Präsident Pervez Musharraf in Islamabad. Die Soldaten würden an die indische Grenze verlegt, wenn die Kriegsgefahr bestehen bleibe. Mittlerweile haben beide Staaten eine Million Soldaten in der Krisenregion Kaschmir zusammengezogen.

Ein Überfall extremistischer Muslime und heftige Artillerie- und Mörserkämpfe mit insgesamt mehr als 30 Toten verschärften die Spannungen zwischen beiden Staaten. Bei den Auseinandersetzungen wurden nach offiziellen Angaben auf beiden Seiten jeweils 14 Menschen getötet und rund 20 verletzt. Beim Angriff auf eine Polizeikaserne in Jammu-Kaschmir wurden vier indische Beamte erschossen.

Der indische Außenminister Jaswant Singh rief Pakistan noch einmal zu einem härteren Vorgehen gegen islamische Separatisten auf. Indien behauptet, die Islamisten in Kaschmir würden von Pakistan unterstützt, was die Regierung in Islamabad aber bestreitet. Sein Land habe Musharraf genug Zeit gegeben, seine Zusagen zu erfüllen, sagte Singh nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister Jack Straw. Auch Straw forderte Musharraf dazu auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Hinter die indische Forderung stellte sich auch das russische Außenministerium und bekräftigte am Donnerstag einen entsprechenden Aufruf an Pakistan.

Musharraf hatte erklärt, die Infiltration von militanten Muslimen in den indischen Teil Kaschmirs sei gestoppt worden. Sein Land exportiere keinen Terrorismus. Der indische Verteidigungsminister George Fernandes forderte Beweise. Auch bis zu 3000 al-Qaida- und Taliban-Kämpfer seien im pakistanischen Teil Kaschmirs untergetaucht, sagte er. Ein Kommandant der extremistischen Muslimgruppe Jaisch-e-Mohammed, Mohammed Musa, warf Musharraf hingegen vor, den Separatisten in Kaschmir "den Dolch in den Rücken gestoßen" zu haben.

Rumsfeld als Vermittler

Rumsfeld soll nach Angaben von Präsident George W. Bush in der kommenden Woche nach Indien und Pakistan reisen, um sich um eine Entspannung im Kaschmir-Konflikt zu bemühen.

Die USA erwögen außerdem Schritte zum "Schutz amerikanischer Leben" in Indien und Pakistan, sagte Bush. "Wir machen sowohl Indien wie Pakistan sehr deutlich, dass Krieg nicht in ihrem Interesse liegen wird."



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