Anti-Terror-Kampf Pakistan hat US-Drohnenangriffe offenbar über Jahre gebilligt

Geheimdokumente zeigen offenbar, dass Pakistans Regierung die US-Drohnenangriffe jahrelang gebilligt hat. Laut "Washington Post" wurde das Land regelmäßig vom Geheimdienst CIA informiert. Bei seinem Staatsbesuch in den USA verlangte Regierungschef Sharif jetzt vehement ein Ende der Angriffe.

US-Drohne: Offenbar wusste Pakistan über Angriffe Bescheid
DPA

US-Drohne: Offenbar wusste Pakistan über Angriffe Bescheid


Washington - Es ist brisant, was die Geheimdokumente enthüllen, die der "Washington Post" vorliegen: Offenbar hat Pakistans Regierung die umstrittenen US-Drohnenangriffe im eigenen Land insgeheim gebilligt. Jahrelang habe der US-Geheimdienst CIA die Pakistaner über Attacken der unbemannten Flugzeuge informiert, berichtet die Zeitung. Offiziell lehnt Pakistan die Drohnenangriffe seit Jahren ab. Erst am Mittwoch forderte Regierungschef Nawaz Sharif von US-Präsident Barack Obama ein Ende der Angriffe.

Aus den Papieren und Aktennotizen pakistanischer Diplomaten geht hervor, dass offenbar in mindestens 65 Fällen mit den Pakistanern über die Drohnenangriffe gesprochen wurde. Etwa in der pakistanischen Botschaft in Washington. Oder die Informationen wurden per Brief an hochrangige Regierungsvertreter in Islamabad geschickt. In einem Fall aus dem Jahr 2010 wurde sogar in einer Akte vermerkt, das Ziel des Angriffs sei "auf Wunsch" der pakistanischen Regierung bombardiert worden. Von einer gemeinsamen Auswahl der Ziele ist in einem anderen Papier die Rede, zitiert die "Washington Post".

Die USA setzen Kampfdrohnen vor allem in den pakistanischen Stammesgebieten, aber auch in Afghanistan und im Jemen ein. Ziele sind Islamisten und Anhänger des Terrornetzwerks Qaida. Die genaue Opferzahl liegt im Dunkeln, Schätzungen zufolge wurden in den vergangenen Jahren aber mehrere tausend Menschen getötet. Immer wieder kommen auch Zivilisten bei den Attacken mit den ferngesteuerten Flugzeugen ums Leben.

Bei einem Treffen im Weißen Haus habe Regierungschef Sharif Obama eindringlich aufgefordert, die US-Drohneneinsätze auf pakistanischem Staatsgebiet einzustellen. Der US-Präsident äußerte sich nicht zum Thema.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den USA vor, mit ihren Drohnenangriffen mehrfach das Völkerrecht gebrochen zu haben. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht wurden auch "möglicherweise Kriegsverbrechen" der USA aufgeführt. Amnesty-Mitarbeiter untersuchten demnach 45 Drohnenangriffe, die zwischen Januar 2012 und August 2013 in der schwer zugänglichen pakistanischen Bergregion geflogen worden seien.

vek/AFP



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DasBrot 24.10.2013
1. Ich fasse es nicht....
Zitat von sysopDPAGeheimdokumente zeigen offenbar, dass Pakistans Regierung die US-Drohnenangriffe jahrelang gebilligt hat. Laut "Washington Post" wurde das Land regelmäßig vom Geheimdienst CIA informiert. Bei seinem Staatsbesuch in den USA verlangte Regierungschef Sharif jetzt vehement ein Ende der Angriffe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pakistan-hat-us-drohnenangriffe-offenbar-jahrelang-gebilligt-a-929804.html
...um dieses Wissen zu veröffentlichen brauchte es Geheimdokumente? Pakistan hat immer mit den Amerikanern kooperiert bei den Drohnenangriffen. Die fanden schließlich nur in den sogenannten tribal areas statt in denen das pakistanische Militär kaum Zutritt hat. Für Pakistan nie ein Problem. Klar musste man vor der eigenen Bevölkerung so tun als sei man geschockt und überrascht.
Beat Adler 24.10.2013
2. Gebilligt? Es gibt einen Staatsvertrag.
Zitat von sysopDPAGeheimdokumente zeigen offenbar, dass Pakistans Regierung die US-Drohnenangriffe jahrelang gebilligt hat. Laut "Washington Post" wurde das Land regelmäßig vom Geheimdienst CIA informiert. Bei seinem Staatsbesuch in den USA verlangte Regierungschef Sharif jetzt vehement ein Ende der Angriffe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pakistan-hat-us-drohnenangriffe-offenbar-jahrelang-gebilligt-a-929804.html
Staatsvertrag Pakistan - USA zur gemeinsamen Bekaempfung der Terroristen: Kurz nach dem Terroranschlag vom 11. Sept. 2011 hat die USA (Armitage) Pakistan (Pervez Musharaf) "gezwungen" einen Staatsvertag zur gemeinsamen Bekaempfung des Terrorismus zu unterzeichnen. Das Zueckerli, wie ueblich, Militaer -und Finanz/Wirtschaftshilfe der USA an Pakistan. Bis heute ist die Oeffentlichkeit nicht darueber informiert, was genau in diesem Vertag steht. Sicher ist er noch in Kraft, denn auch eine Annulierung wurde nicht bekannt. Moeglicherweise, Vorsicht Spekulation, sind die Drohenangriffe in Pakistan gemaess diesem Vertrag "legal". Moeglicherweise war auch der militaerische Angriff der zur Toetung von Osama Ben Laden am 2.Mai 2011 fuehrte, gemaess dieses Vertrages auch "legal". Immer wenn Pervez Musharaf auf den Inhalt dieses Vertrages angesprochen wurde, in mehreren Interviews internationaler Fernsehsender, wich er aus, oder aenderte er das Thema. Solange wir, die Oeffentlichkeit, nicht wissen, was in diesem Vertrag steht, bleibt das Verhaeltnis USA - Pakistan obskur. Persoenlich habe ich einen ehemaligen Soldaten der pakistanischen Armee kennengelernt, der mit seiner Einheit in Zugstaerke in einen Talibanhinterhalt geriet. Fast alle seine Kameraden wurden dabei getoetet. Perves Musharaf behauptet, dass in "seinem" Krieg gegen den Terror, gemaess Vertrag mit den USA, ueber 40'000 pakistanische Soldaten gefallen sind. Die Zahl ist schlecht ueberpruefbar. Die Taliban wurden vom militaerischen Geheimdienst Pakistans, ISI, kreiert, gegruendet, ausgestattet, hochgepaeppelt und mit Unterstuetzung von 20'000 pakistanischen Soldaten in Kabul an die Macht gebracht. Sie konnten etwa 2 Drittel Afghanistans unter ihre Kontrolle bringen. Heute? Vor etwa 2 Jahren haben die Taliban der pakistanischen Regierung offiziell den Krieg erklaert. Und jetzt? USA hilf!
DasBrot 24.10.2013
3. Ich bin immer davon ausgegangen...
Zitat von Beat AdlerStaatsvertrag Pakistan - USA zur gemeinsamen Bekaempfung der Terroristen: Kurz nach dem Terroranschlag vom 11. Sept. 2011 hat die USA (Armitage) Pakistan (Pervez Musharaf) "gezwungen" einen Staatsvertag zur gemeinsamen Bekaempfung des Terrorismus zu unterzeichnen. Das Zueckerli, wie ueblich, Militaer -und Finanz/Wirtschaftshilfe der USA an Pakistan. Bis heute ist die Oeffentlichkeit nicht darueber informiert, was genau in diesem Vertag steht. Sicher ist er noch in Kraft, denn auch eine Annulierung wurde nicht bekannt. Moeglicherweise, Vorsicht Spekulation, sind die Drohenangriffe in Pakistan gemaess diesem Vertrag "legal". Moeglicherweise war auch der militaerische Angriff der zur Toetung von Osama Ben Laden am 2.Mai 2011 fuehrte, gemaess dieses Vertrages auch "legal". Immer wenn Pervez Musharaf auf den Inhalt dieses Vertrages angesprochen wurde, in mehreren Interviews internationaler Fernsehsender, wich er aus, oder aenderte er das Thema. Solange wir, die Oeffentlichkeit, nicht wissen, was in diesem Vertrag steht, bleibt das Verhaeltnis USA - Pakistan obskur. Persoenlich habe ich einen ehemaligen Soldaten der pakistanischen Armee kennengelernt, der mit seiner Einheit in Zugstaerke in einen Talibanhinterhalt geriet. Fast alle seine Kameraden wurden dabei getoetet. Perves Musharaf behauptet, dass in "seinem" Krieg gegen den Terror, gemaess Vertrag mit den USA, ueber 40'000 pakistanische Soldaten gefallen sind. Die Zahl ist schlecht ueberpruefbar. Die Taliban wurden vom militaerischen Geheimdienst Pakistans, ISI, kreiert, gegruendet, ausgestattet, hochgepaeppelt und mit Unterstuetzung von 20'000 pakistanischen Soldaten in Kabul an die Macht gebracht. Sie konnten etwa 2 Drittel Afghanistans unter ihre Kontrolle bringen. Heute? Vor etwa 2 Jahren haben die Taliban der pakistanischen Regierung offiziell den Krieg erklaert. Und jetzt? USA hilf!
...das all diese Aktion im einvernehmen mit Pakistan und legal stattfanden. Das ist ja auch offensichtlich. Da sonst die Völkergemeinschaft allen voran Pakistan eine Verteilung der USA erwirkt. Das hätte niemand abgelehnt. Aber es war ja legal.
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