Pakistan Islamistenführer weist Verwicklung in Bhutto-Mord zurück

Die pakistanische Regierung glaubt den Drahtzieher des Attentats auf Benazir Bhutto ausgemacht zu haben. Doch der mutmaßliche Qaida-Anführer Mehsud weist jede Verantwortung für den Mord zurück. Auch die Partei der getöteten Oppositionsführerin hat Zweifel.


Peschawar - Die Regierung in Islamabad ist sich sicher: Hinter dem tödlichen Anschlag auf die populäre Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto steckt der regionale Extremist Baitullah Mehsud. Dafür gebe es starke Hinweise, verbreitete ein Regierungssprecher gestern Abend auf einer Pressekonferenz. In einer abgefangenen Mitteilung hätten sich Mehsuds Kämpfer gegenseitig zu dem Anschlag beglückwünscht.

Standbild aus dem pakistanischen Sender Dawn TV: Auf der Aufnahme soll der Attentäter Bhuttos zu sehen sein, wie er auf die Politikerin feuert.
AFP

Standbild aus dem pakistanischen Sender Dawn TV: Auf der Aufnahme soll der Attentäter Bhuttos zu sehen sein, wie er auf die Politikerin feuert.

Bereits vor Bhuttos Rückkehr aus dem Exil im Oktober hatte die den Taliban und dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe stehende und im Grenzgebiet zu Afghanistan operierende Islamistengruppe damit gedroht, sie werde die Politikerin mit Selbstmordanschlägen "willkommen heißen".

Mehsud hat die Darstellung der Regierung inzwischen zurückgewiesen. "Er ist in dieses Attentat nicht verwickelt", sagte sein Sprecher, Maulana Omar, der sich bei mehreren Nachrichtenagenturen via Satellitentelefon meldete. "Das ist eine Verschwörung der Regierung, der Armee und der Geheimdienste", fügte Omar hinzu und wies darauf hin, dass für die Gruppe Anschläge auf Frauen nicht in Frage kämen.

Auch Bhuttos Partei hegt starke Zweifel an den Regierungsangaben. Diese Geschichte erscheine fingiert und nicht zutreffend, erklärte Farhatullah Babar, ein Sprecher der Pakistanischen Volkspartei (PPP). Die Regierung versuche damit abzulenken. Bhutto habe der Regierung in der Vergangenheit von "Elementen" außerhalb der al-Qaida berichtet, die sie gefährden könnten, doch sei diesbezüglich nie ermittelt worden.

Das pakistanische Innenministerium machte Milizenführer Mehsud indes auch für den Anschlag vom 18. Oktober auf eine Parade nach der Rückkehr Bhuttos aus dem Exil verantwortlich. Dabei waren damals mehr als 140 Menschen getötet worden. Bhutto selbst blieb unverletzt. PPP-Sprecher Babar dagegen erklärte, Mehsud habe Bhutto über Emissäre mitteilen lassen, dass er nicht für den Anschlag im Oktober in Karachi verantwortlich gewesen sei.

Entgegen anders lautender Berichte ist auch im Internet auf einschlägigen Websites bislang kein offizielles Bekennerschreiben al-Qaidas für den Anschlag aufgetaucht. Stattdessen wurde auf islamistischen Seiten eine neue Rede von Terrorchef Osama Bin Laden angekündigt. Wann das Band erscheinen soll, blieb zunächst offen. In der Vergangenheit hatten sich solche Ankündigungen meist als zutreffend erwiesen.

Bhutto war am Donnerstag bei einem Anschlag in der Garnisonsstadt Rawalpindi getötet worden. Gestern wurde sie unter der Anteilnahme Hunderttausender im Mausoleum ihrer Familie an der Seite ihres ebenfalls ermordeten Vaters beigesetzt. Begleitet wurden die Feierlichkeiten von schweren Unruhen im ganzen Land, die mindestens 27 Menschen das Leben kosteten.

Die US-Regierung forderte eine vollständige Untersuchung des Anschlags. Es sei für Pakistan sehr wichtig, "die genauen Umstände ihrer Ermordung zu klären und die Verantwortlichen zu finden", sagte der Sprecher des US- Außenministeriums, Tom Casey gestern in Washington. Auch hier hieß es, für eine Verantwortung der Terrororganisation al-Qaida gebe es noch keine unabhängige Bestätigung.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach sich für eine unbeirrte Fortsetzung des Demokratisierungsprozesses in Pakistan aus. Bhutto sei eine "Vorkämpferin der Demokratie gewesen", betonte Rice bei einem Beileidsbesuch in der pakistanischen Botschaft in Washington. Ihr Engagement für die Demokratie und ihre Liebe zu ihrem Volk blieben den Pakistanis als ihr Vermächtnis, sagte Rice.

Die demokratische Bewerberin für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten, Senatorin Hillary Clinton, setzte sich für eine internationale Untersuchung der Ermordung Bhuttos ein. Nur ein internationales Gremium würde die notwendige Glaubwürdigkeit besitzen, die wahren Umstände von Bhuttos gewaltsamem Tod herauszufinden, sagte Clinton in einem Interview des US-Fernsenders CNN am Freitag.

phw/AFP/Reuters/AP/dpa



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