Pakistan Kampf um Rote Moschee eskaliert

Explosionen, Schüsse und Granatenfeuer. Die Lage um die umkämpfte Rote Moschee in Islamabad wird immer unübersichtlicher. Radikale Islamisten halten das Gebäude besetzt - das Militär will stürmen.


Islamabad - Pakistanische Sicherheitskräfte haben sich heute früh erneut Kämpfe mit radikalen Koranschülern an der Roten Moschee in Islamabad geliefert. Die Sicherheitskräfte ließen nach eigenen Angaben zur Warnung Sprengsätze explodieren und brachen eine Tür zu dem Gotteshaus auf. Die Koranschüler hätten mit Schüssen und Granaten geantwortet. "Das war eine Warnung. Wir geben ihnen Zeit, sich friedlich zu ergeben", sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter.

Blutige Kämpfe in Islamabad: Islamisten und Sicherheitskräfte liefern sich seit Tagen Gefechte
AP

Blutige Kämpfe in Islamabad: Islamisten und Sicherheitskräfte liefern sich seit Tagen Gefechte

Es handele sich um die schwersten Gefechte der vergangenen zwei Tage, meldete der Sender Geo TV. Die Kämpfe seien am frühen Morgen aufgeflammt. Zuvor seien die Koranschüler erneut per Lautsprecher von einer nahe gelegenen Moschee aus aufgefordert worden, sich zu ergeben.

Der stellvertretende Leiter der Moschee, Abdul Rashid Gazi, lehnte es erneut ab, sich zu ergeben. "Wir sind keine Terroristen. Warum sollten wir also unsere Waffen niederlegen?", sagte er und fügte hinzu, er strebe eine "ehrenhafte Lösung" des Konflikts an. Seinen Angaben zufolge halten sich noch 2000 Schülerinnen und Schüler in der Roten Moschee auf. Ihre Kampfmoral sei hoch. Regierungsvertreter gingen von nur noch rund 200 Islamisten und 60 Kindern in dem Gebäude aus, nachdem sich am Mittwoch rund 1200 Koranschüler ergeben hatten. Der Leiter der Roten Moschee und Bruder des Stellvertreters, Abdul Aziz, war zuvor bei einem Fluchtversuch festgenommen worden. Er hatte versucht, sich mit einer Burka zu tarnen, dem traditionellen muslimischen Frauengewand.

Die Rote Moschee in Islamabad befindet sich seit mehreren Monaten im Konflikt mit der pakistanischen Regierung. Ihre Betreiber wollen in Pakistan einen islamischen Gottesstaat nach dem Vorbild des früheren afghanischen Taliban-Regimes errichten. Radikale Islamschüler halten das Gebäude seit Dienstag besetzt. Präsident Pervez Musharraf hatte die Räumung der Moschee angeordnet und sie von Sicherheitskräften umstellen lassen. Mindestens 16 Menschen kamen bisher bei den Kämpfen ums Leben.

ler/AFP/dpa



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