Pakistan Mindestens acht Tote bei Attentat auf Kirche

Zwei Selbstmordattentäter haben einen christlichen Gottesdienst in Pakistan attackiert. Mindestens acht Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt.

Kirchenbesucher nach dem Anschlag in Quetta
REUTERS

Kirchenbesucher nach dem Anschlag in Quetta


Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Pakistan sind nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet worden. Mehr als zwei Dutzend weitere Menschen wurden verletzt, mindestens sechs davon lebensbedrohlich. Ziel der beiden Selbstmordattentäter war die Methodistenkirche in der Stadt Quetta, der Hauptstadt der südwestlichen Provinz Baluchistan.

Baluchistans Innenminister Sarfraz Bugti zufolge stürmten zwei Selbstmordattentäter auf die Kirche zu, als der Sonntagsgottesdienst gerade begonnen hatte. Dort lieferten sie sich eine Schießerei mit Sicherheitskräften.

Einen der Täter erschossen Polizisten noch im Eingangsbereich der Kirche, bevor er seine Sprengweste zünden konnte. Der zweite sei bis zum Hauptportal vorgedrungen, wo er sich in die Luft gesprengt habe, erklärte Bugti. Zwei Unterstützer sollen auf der Flucht sein, nach ihnen wird gefahndet.

In einer ersten Reaktion hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag bekannt. Zwei Angreifer des Islamischen Staates hätten die Kirche gestürmt, meldete das IS-Sprachrohr Amak über das Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet.

Weihnachtsgottesdienst mit 400 Besuchern

Bugti zufolge werden die Sonntagsmessen in der Regel von rund 250 Menschen besucht. Wegen des bevorstehenden Weihnachtsfestes hätten aber mehr Menschen teilgenommen. Ein Polizeivertreter sprach von 400 Kirchenbesuchern.

Ein Augenzeuge, der mit einem Schuss im rechten Arm getroffen wurde, berichtet von einem Knall während des laufenden Gottesdienstes, gefolgt von vielen Schüssen. "Es herrschte Chaos", sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Die Menschen wurden in der geschlossenen Kirche von Kugeln getroffen."

Christen werden in Pakistan immer wieder Ziel von Anschlägen islamistischer Extremisten. Vor einem Krankenhaus in der Nähe der Kirche versammelten sich nach der Attacke Demonstranten, um gegen die prekäre Sicherheitslage zu protestieren.

In der rohstoffreichen Provinz Baluchistan, die an Iran und Afghanistan grenzt, kommt es immer wieder zu Anschlägen islamistischer Aufständischer. Zudem kämpfen verschiedene Rebellengruppen seit 2004 für politische Autonomie.

irb/AFP/AP/dpa/Reuters



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