Pakistan Militante zerstören Nachschubroute für Nato-Truppen

Aufständische haben eine der wichtigsten Nachschubrouten für die Nato-Truppen in Afghanistan lahmgelegt: Sie sprengten eine Brücke am Khyber-Pass im Nordwesten des Landes. Behördenangaben zufolge stecken Hunderte Lastwagen fest.


Peschawar - Mutmaßliche islamistische Militante haben einen Sprengstoffanschlag auf eine Brücke am Khyber-Pass im Nordwesten Pakistans verübt. Nach Angaben örtlicher Behörden haben die Aufständischen damit die wichtigste Nachschubroute für die Nato-Streitkräfte in Afghanistan unterbrochen. Informationen über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Zerstörte Brücke am Khyber-Pass: Nur für Fußgänger begehbar
AFP

Zerstörte Brücke am Khyber-Pass: Nur für Fußgänger begehbar

Der Sprengsatz ging den Angaben zufolge am Dienstag um 6 Uhr Ortszeit (2 Uhr MEZ) hoch. Der größte Teil der Brücke ist laut CNN zerstört. Momentan könne kein Fahrzeug die rund 30 Meter lange Eisenkonstruktion überqueren, sagte Behördenvertreter Tariq Hayat der Nachrichtenagentur AFP. Derzeit steckten Hunderte Lastwagen fest. Einige transportieren Nachschub für die ausländischen Streitkräfte in Afghanistan, wird ein Nato-Sprecher in Afghanistan von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Es bestehe aber keine Gefahr, dass es zu Versorgungsengpässen komme. Der Verkehr solle ab Mittwoch über eine provisorische Strecke umgeleitet werden.

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Der pakistanische Regierungssprecher Hidayat Ullah erklärte der Nachrichtenagentur AP, die Brücke befinde sich etwa 25 Kilometer nordwestlich der Stadt Peschawar. Alle Wagen, die von Peschawar zur afghanischen Grenze Güter transportierten, müssten sie passieren. Laut CNN verbindet die Brücke die Orte Jamrud und Landi Kotal.

Der Großteil der Ausrüstung und der Versorgung der Nato-Truppen und der US-geführten Streitkräfte in Afghanistan kommt über den Khyber-Pass ins Land. Viele Lastwagen befördern aber auch Güter für die Zivilbevölkerung.

USA suchen nach Ausweichrouten

Die Khyber-Region ist Teil von Pakistans halbautonomen Stammesgebieten im Nordwesten, die Kämpfern der Qaida und der Taliban als Rückzugsgebiete dienen. Der Khyber-Pass ist seit Jahrhunderten eine wichtige Schnittstelle im Handel zwischen Pakistan und Afghanistan.

Die meisten Versorgungsgüter für die ausländischen Truppen in Afghanistan treffen per Schiff in der pakistanischen Hafenstadt Karachi ein und werden dann über die Khyber-Route ins Nachbarland transportiert. In den vergangenen Monaten war die Straße wegen Anschlägen radikaler Islamisten, die den Taliban nahestehen, wiederholt gesperrt worden.

Die Versorgung der Stützpunkte mit Treibstoff, Ausrüstung und Lebensmitteln ist für die Mission in Afghanistan außerordentlich wichtig. Die Nato sucht deshalb seit Monaten nach Alternativen, um die Güter auf dem Landweg zu ihren Stützpunkten zu bringen. Vor wenigen Wochen waren Pläne der USA bekannt geworden, die immer wieder von Aufständischen angegriffene Versorgungsroute von Pakistan nach Afghanistan zu entlasten. Der Oberbefehlshaber des US-Oberkommandos Mitte, General David Petraeus, erklärte, dass der Nachschub für die Truppen künftig auch über Russland und andere benachbarte zentralasiatische Staaten in das Land gelangen werde.

Nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" hat die Nato auch Verhandlungen mit Iran über die Öffnung von Nachschubwegen für den Militäreinsatz in Afghanistan begonnen. Es gebe Gespräche von Militärexperten "auf einer unteren Fachebene", berichtet das Blatt am Samstag unter Berufung auf diplomatische Kreise. Dabei gehe es um die Versorgung von Nato-Truppen im heftig umkämpften Süden Afghanistans, wo überwiegend britische, kanadische und niederländische Soldaten stationiert sind.

"Die Versorgung des Militärs in Afghanistan kann ohne Einbeziehung Irans kaum noch sichergestellt werden", zitierte die Zeitung einen Militärexperten. Demnach begannen die Verhandlungen der Nato mit Teheran bereits während der Amtszeit des früheren US-Präsidenten George W. Bush, der Iran zur "Achse des Bösen" zählte.

Offensive im Swat-Tal

Nach Angaben der pakistanischen Streitkräfte wurden bei Boden- und Luftangriffen im Swat-Tal in der Nacht zum Dienstag 35 radikale Islamisten getötet. Ziel der Angriffe seien Verstecke von Extremisten im Bezirk Khawazakhela gewesen. Pakistan hatte in der vergangenen Woche eine Offensive in der Region gestartet, die fest in der Hand der islamischen Extremisten ist. Das Land steht unter wachsendem Druck westlicher Staaten, entschiedener gegen radikale Islamisten vorzugehen.

Behörden vor Ort berichteten, bis zu 20.000 Menschen seien vor den Kämpfen aus dem Swat-Tal in Behelfsunterkünfte geflohen. Ein Flüchtling berichtete, schon das Vorgehen der Taliban sei brutal, die Sicherheitskräfte gingen aber auch übertrieben hart in von Zivilisten bewohnten Gebieten vor. "Für uns ist die Situation hoffnungslos", sagte er.

amz/AP/AFP

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