Pakistan Musharraf will bis 2007 Präsident bleiben

Pakistans Präsident Musharraf gibt sich selbstlos: Um der Stabilität des Landes willen, plant er noch bis mindestens 2007 Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee zu bleiben. Es gelte den islamistischen Extremismus einzudämmen. Gleichzeitig kritisierte er den vom Westen geführten Krieg gegen den Terror.


Musharraf: Will länger bleiben als versprochen
AP

Musharraf: Will länger bleiben als versprochen

London - Um dieses Ziel zu erreichen, bedürfe es der Einheit von Politik, Verwaltung und Militär in Pakistan, sagte Pervez Musharraf in einem Interview mit dem britischen Sender BBC, das er im Rahmen seines London-Besuchs gab. Musharraf kam 1999 an die Macht. Der Senat und das pakistanische Parlament hätten ihn darum gebeten, beide Ämter, das des Staatspräsidenten und das des Oberbefehlshabers der Armee, weiter zu bekleiden. Auf britischen Druck hin hatte Musharraf zuvor in Aussicht gestellt, letzteres Amt zum 31. Dezember 2004 aufzugeben.

Doch schon vor einigen Wochen rückte er von diesem Versprechen ab. Das Parlament verabschiedete jedoch kürzlich ein Gesetz, das es Musharraf ermöglicht, über das Jahr 2004 hinaus in beiden wichtigen Ämtern zu bleiben.

In dem Interview mit der BBC sagte Musharraf weiter, er glaube, der Krieg gegen den Terror habe die Welt unsicherer gemacht. Der große Fehler sei, dass nur die Symptome, nicht aber die Ursachen des Terrors bekämpft würden. "Wir gehen nicht auf die Kernprobleme ein", sagte er, "wir bekämpfen das unmittelbare Umfeld (des Terrors), aber nicht seinen strategischen, langfristigen Kontext. Was bringt einen jungen Mann oder eine Frau dazu, sein oder ihr Leben aufzugeben? Es sind die politischen Streitfragen, und die müssen wir angehen, ebenso wie Analphabetentum und Armut. Zusammen sind das die Brutstätten von Extremismus und Terror."

Der britische Premierminister Tony Blair stimmte Musharraf gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz darin zu, dass eine polizeiliche und militärische Bekämpfung der Terroristen allein nicht ausreiche: "Wir wären dumm, die Ursachen des Terrorismus zu ignorieren", sagte er. Von zentraler Bedeutung sei der Nahost-Friedensprozess, der gerade jetzt eine neue Chance für eine Einigung zwischen Israelis und Palästinensern biete: "Wenn wir diese Gelegenheit nicht nutzen, wird sie vielleicht nicht wiederkommen", warnte Blair.

In einem Interview mit dem US-Sender CNN bezeichnete Musharraf den Einmarsch im Irak als Fehler, der die Welt gefährlicher gemacht habe. Er sprach sich aber gegen einen schnellen Abzug der US-geführten Truppen aus: "Dies würde zu weiteren Problemen in der Region führen."



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