Pakistan Musharraf will Oppositionsführer nicht ins Land lassen

Der pakistanische Präsident will die Ex-Regierungschefs und Oppositionsführer Bhutto und Sharif nicht vor der für Ende des Jahres geplanten Parlamentswahl nach Pakistan lassen. Zum Abschluss der "Friedens-Dschirga" in Kabul rief Musharraf Afghanistan zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf.


Islamabad/New York - Musharraf lehnte eine Rückkehr der im Exil lebenden ehemaligen pakistanischen Regierungschefs Benazir Bhutto und Nawaz Sharif vor den geplanten Parlamentswahlen ab. Der politisch Status quo müsse beibehalten werden, um politische Instabilität zu verhindern, sagte der pakistanische Informationsminister Mohammad Ali Durrani mit Blick auf die Rückkehrpläne der im Exil lebenden Politiker.

Oppositionsführerin Bhutto: Musharraf sprach sich gegen ihre Rückkehr vor den Wahlen aus
REUTERS

Oppositionsführerin Bhutto: Musharraf sprach sich gegen ihre Rückkehr vor den Wahlen aus

Benazir Bhutto, Anführerin der größten Oppositionspartei des Landes, hatte noch gestern in einem Interview erklärt, sie hoffe auf eine Rückkehr nach Pakistan bis Mitte Oktober. Prinzipiell sei Musharraf mit ihren Bedingungen für eine Wiederkehr einverstanden, erklärte Bhutto weiter. Dazu zählten, dass dieser seine militärischen Ämter niederlege. Ob sie sich letztendlich mit Musharraf auf eine Rückkehr einige, hänge von vertrauensbildenden Maßnahmen seitens des Präsidenten ab, führte Bhutto weiter aus. So müsse er ein Verbot aufheben, das eine dritte Amtszeit von Regierungschefs verhindere.

Davon ist auch Bhutto betroffen, die bereits einmal wiedergewählt wurde. Die Ex-Regierungschefin, die sich seit Jahren gegen Korruptionsvorwürfe wehrt, wolle mit ihrer oppositionellen Volkspartei an der für Dezember oder Januar erwarteten Parlamentswahl teilnehmen. Musharraf selbst hat stark an Unterstützung verloren, seit die von ihm angeordnete Entlassung des Obersten Richters auf massive Proteste stieß. Der Präsident hat zudem große Schwierigkeiten im Kampf gegen Islamisten, die mit den Taliban verbündet sind.

Zuletzt wurde berichtet, dass Musharraf und Bhutto angeblich über eine mögliche Machtteilung diskutiert hätten.

"Besonders dunkle Form des Terrorismus"

Heute traf Musharraf zu der Ratsversammlung hunderter Stammesführer aus Afghanistan und Pakistan in Kabul ein. Der pakistanische Präsident rief Afghanistan zum Abschluss der "Friedens"-Dschirga zum gemeinsamen Kampf gegen Extremisten auf, um den Anschluss an die Globalisierung nicht länger zu verpassen. Während die Welt ökonomisch vorankomme, seien die beiden Länder mit einer "besonders dunklen Form" des Terrorismus konfrontiert, die von ausländischen Einflüssen begünstigt werde.

Musharraf sprach nach dem Treffen von einem "historischen Tag in den Beziehungen beider Länder". Er gestand ein, auch Pakistan habe Verantwortung im Kampf gegen die grenzüberschreitende Gewalt der radikal-islamischen Taliban. "Unsere Stammesgebiete unterstützen die Taliban, und es ist unsere Verantwortung, das Grenzgebiet zu kontrollieren." Musharraf war heute zum Abschluss der Dschirga nach Kabul gekommen. An der Eröffnung hatte er unter Verweis auf Verpflichtungen in Islamabad nicht teilgenommen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai dankte Musharraf und den rund 650 Delegierten, die vier Tage lang in der afghanischen Hauptstadt über den Kampf gegen die Taliban beraten hatten. In einer Abschlusserklärung verpflichteten sich die mehr als 600 teilnehmenden Stammesführer aus beiden Ländern, den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen. Außerdem werde man sich bemühen, den Dialog aufrechtzuerhalten und regelmäßige Treffen zu vereinbaren.

Die Taliban hatten zum Boykott der Versammlung aufgerufen und das Treffen eine "Verschwendung von Zeit und Geld" genannt.

anr/dpa/AP/Reuters



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