SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. Januar 2011, 10:57 Uhr

Pakistan

Nebel zwingt Westerwelle zu Bustour

Guido Westerwelle hat seine Pakistanreise mit einer unfreiwilligen Busreise begonnen. Wegen dichten Nebels konnte sein Regierungsflugzeug nicht in Islamabad landen, sondern musste nach Lahore ausweichen. Den Rest des Weges muss er in einer stundenlangen Busfahrt zurücklegen.

Lahore - Es ist ein Trip mit Hindernissen. Außenminister Guido Westerwelle ist am Samstag zu einem zweitägigen Besuch in Pakistan eingetroffen. Wegen dichten Nebels konnte das Regierungsflugzeug allerdings nicht in der Hauptstadt Islamabad landen, sondern musste ins 250 Kilometer entfernte Lahore ausweichen.

Nach drei Stunden des Wartens auf einen möglichen Weiterflug nach Islamabad war die Sicht für eine Landung dort aber immer noch zu schlecht. Bis zum Mittag hatte sich der Nebel so weit gelichtet, dass man 140 Meter sehen konnte. Vorgeschrieben für eine sichere Landung sind 800 Meter. So machten sich der FDP-Chef und seine Delegation mit drei Autobussen auf den Weg in die Hauptstadt. Dafür waren etwa fünf Stunden veranschlagt.

Westerwelle nahm die Zwangstour gelassen. Immerhin bekomme er jetzt eine Gelegenheit, für die ihm als Außenminister sonst meist die Zeit fehle. "Man sieht durch eine solche Fahrt ja auch etwas vom Land." So kam es dann auch: Der Tross wurde mehrmals von Esel- und Rinderkarren aufgehalten. Und ein Stopp an einer Tankstelle musste ebenfalls sein.

Das ursprünglich geplante Programm musste gekürzt werden. Eigentlich war in Islamabad ein Treffen Westerwelles mit Premierminister Yousuf Raza Gilani geplant. Es ist jedoch unklar, ob dieser Termin noch zustande kommt. Auf alle Fälle soll am Abend ein Treffen mit Außenminister Shah Mahmood Qureshi stattfinden.

Pakistan mit seinen 170 Millionen Einwohnern gehört zu den Atommächten. Das Grenzgebiet zum Nachbarland Afghanistan gilt als wichtigstes Rückzugsgebiet von islamistischen Terroristen.

Besuch in Überschwemmungsgebieten

Am Sonntag will sich der Außenminister und FDP-Vorsitzende ein Bild von der Lage nach den schweren Überschwemmungen machen, die Pakistan im vergangenen Sommer heimgesucht hatten. Deutschland beteiligt sich an verschiedenen Hilfsprojekten. Bei der schlimmsten Hochwasserkatastrophe in der Geschichte des Landes gab es mehr als 1700 Tote. Insgesamt waren 20 Millionen Menschen betroffen. Mehrere Millionen sind heute noch auf Hilfe angewiesen.

Innenpolitisch war die Entwicklung Pakistans zuletzt von einer Koalitionskrise geprägt. Premierminister Gilani gelang es erst am Freitag, den kleineren Koalitionspartner Partei MQM zur Rückkehr in die Regierung zu bewegen. Damit verfügt Gilanis Pakistanische Volkspartei (PPP), die zusammen mit mehreren kleineren Parteien regiert, wieder über eine Mehrheit im Parlament.

ler/dpa

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung