Pakistan Qaida-Anführer soll bei Drohnen-Angriff getötet worden sein

Es wäre ein schwerer Schlag für al-Qaida: Laut pakistanischen Sicherheitsbeamten wurde ein wichtiger Anführer des Terrornetzwerkes bei einem Drohnenangriff getötet. In Afghanistan rief Präsident Karzai die Taliban unter Tränen zu einem Ende der Gewalt auf.

US-Drohne (Archiv): Die USA fliegen mehr Angriffe als je zuvor
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US-Drohne (Archiv): Die USA fliegen mehr Angriffe als je zuvor


Peschawar - Ein wichtiger Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida in Afghanistan und Pakistan ist nach Angaben pakistanischer Verantwortlicher getötet worden - das berichten übereinstimmend die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. Der unter dem Namen Sheikh Fateh bekannte Extremistenführer sei bereits am vergangenen Samstag beim Angriff einer US-Drohne im Nordwesten des Landes ums Leben gekommen, sagten pakistanische Sicherheitskräfte am Dienstag.

Eine Rakete habe das Fahrzeug Fatehs getroffen, als dieser gemeinsam mit drei weiteren Personen durch Nord-Waziristan fuhr, sagte ein Sicherheitsbeamter.

Der Nordwesten Pakistans, der aufgrund des bergigen Geländes und der Stammesstrukturen nur schwer zu kontrollieren ist, dient Aufständischen aus Pakistan und dem benachbarten Afghanistan als Unterschlupf. Auch die Qaida-Führungsriege wird dort vermutet.

Laut einem Bericht der "New York Times" hat der US-Geheimdienst CIA in diesem Monat mehr Drohnenangriffe im pakistanischen Grenzgebiet geflogen als je zuvor. Die Angriffe mit unbemannten Flugzeugen seien "drastisch" verstärkt worden, heißt es unter Berufung auf offizielle amerikanische Quellen. Das sei Teil der Anstrengungen, den Taliban auf der pakistanischen Seite der Grenze zuzusetzen, von wo aus sie Angriffe auf US-Truppen in Afghanistan planen.

Am Montag hatte US-General David Petraeus von einer Annäherung zwischen Afghanistans Präsident Hamid Karzai und den Taliban berichtet - was die radikalen Islamisten allerdings dementierten.

"Zerstört euer Land nicht zum Nutzen anderer!"

Karzai rief die Taliban am Dienstag zu einem Ende der Gewalt auf. Schluchzend sagte er in Kabul, er wolle nicht, dass sein im Jahr 2007 geborener Sohn Mirwais eines Tages aus seiner Heimat fliehen müsse. "Ich rufe die Taliban erneut auf: Landsleute! Zerstört euer Land nicht zum Nutzen anderer!" Karzai sagte mit brechender Stimme: "Ich schwöre zu Gott, ich habe Schmerzen, und, Leute, ich habe Angst, dass, was Gott verhüten möge, Mirwais gezwungen wird, ein Ausländer zu werden und in ein fremdes Land zu gehen." Er wolle, dass sein Sohn in Afghanistan von afghanischen Lehrern unterrichtet werde, in seiner Heimat aufwachse und seinem Volk als Arzt diene.

Am Dienstag wurden 68 Mitglieder eines "Hohen Friedensrats" benannt, der Gespräche mit den Taliban vorantreiben soll. Unter den Mitgliedern sind zwei Ex-Präsidenten, Stammesführer und mindestens drei frühere Angehörige des Ende 2001 gestürzten Taliban-Regimes. Zahlreiche Widerstandskämpfer gegen das Taliban-Regime gehören dem Gremium ebenso an wie mindestens acht Frauen. Zwei weitere Mitglieder müssen noch ernannt werden

hut/AFP/Reuters/dpa

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