Pakistan Qaida-Bombenbauer soll bei US-Angriff getötet worden sein

Beim umstrittenen tödlichen US-Luftangriff auf ein pakistanisches Dorf wurde Qaida-Anführer Aiman al-Sawahiri zwar verfehlt. Doch der Chef-Bombenbauer der Terrororganisation soll bei der Attacke ums Leben gekommen sein.


Islamabad - Pakistanische Vertreter hätten einen der in dem Dorf Damadola Getöteten als Midhat Mursi alias Khabab al-Masri identifiziert, berichtete der US-Sender ABC. Neben Mursi sei ein Schwiegersohn von Sawahiri ums Leben gekommen, hieß es außerdem. Ein drittes führendes Qaida-Mitglied, das die Aktivitäten in der östlichen afghanischen Provinz Kunar geleitet habe, sei ebenfalls getötet und identifiziert worden.

Haus in Damadola nach US-Angriff: Sawahiri konnte entkommen
REUTERS

Haus in Damadola nach US-Angriff: Sawahiri konnte entkommen

US-Vertreter konnten die Informationen zunächst nicht bestätigen. Die Frage, wer sich in dem von der US-Luftwaffe angegriffenen Haus aufgehalten habe, werde möglicherweise unbeantwortet bleiben, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte.

Mursi steht auf der Liste des US-Außenministeriums mit den führenden Köpfen des Terrornetzwerks von Osama Bin Laden. Auf den 52-jährigen Chemiewaffenexperten ist ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Er soll im afghanischen Derunta ein Qaida-Trainingslager geleitet haben, in dem Hunderte Mudschahidin den Gebrauch von Sprengstoff und Gift lernten.

Mehrere Handbücher Mursis mit Anleitungen zur Herstellung einfacher chemischer und biologischer Waffen seien den US-Streitkräften in Afghanistan in die Hände gefallen, hieß es. Laut dem US-Vertreter stand Mursi auch hinter Giftgas-Experimenten an Hunden, wie sie auf Videoaufzeichnungen zu sehen waren. Sollte er tatsächlich getötet worden sein, so wäre dies "eine sehr bedeutsame Entwicklung".

Sawahiri selbst soll sich während des US-Luftangriffs auf das Dorf gar nicht in der Gegend aufgehalten haben. Der Angriff, bei dem 18 Menschen - darunter auch Frauen und Kinder - getötet wurden, belastet derzeit die Beziehungen der USA zu ihrem Verbündeten. Aus Protest waren am Wochenende Tausende Menschen in Pakistan auf die Straße gegangen. Auch die Regierung in Islamabad protestierte scharf.

Am Dienstag räumte sie dann ein, dass unter den Opfern auch "vier oder fünf ausländische Terroristen" gewesen seien. Wie pakistanische Stellen dem US-Sender versicherten, gehörte Mursi zu drei namentlich bekannten al-Qaida-Führern, die an dem Treffen teilgenommen hatten. Er habe auf der Gästeliste für das Treffen gestanden. Von seiner Leiche fehlt allerdings jede Spur. Laut der Verwaltung des dortigen Stammesgebiets hatten Überlebende die Leichen der Qaida-Leute weggetragen.



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