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Pakistan Rauswurf von BND-Agenten war gezielter Affront

War die Ausweisung deutscher Geheimdienstler bloß ein Missverständnis? Mit dieser These will Pakistans Botschafter den Streit zwischen Berlin und Islamabad schlichten. Doch nach Informationen des SPIEGEL waren die BND-Mitarbeiter korrekt akkreditiert - und die Vorwürfe gegen sie vorgeschoben.
BND-Zentrale, Berlin: Die deutschen Geheimdienstagenten besaßen Diplomatenpässe

BND-Zentrale, Berlin: Die deutschen Geheimdienstagenten besaßen Diplomatenpässe

Foto: dapd
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Rauswurf dreier Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus der Stadt Peschawar in Pakistan war offenbar ein gezielter Affront von Teilen der pakistanischen Regierung. Diese muss sich seit längerem gegen den Vorwurf wehren, ausländische Agenten operierten ungehindert in dem Land. Das Vorgehen gegen die BND-Mitarbeiter könnte nach Einschätzung deutscher Regierungskreise der Versuch sein, dieser Kritik zu begegnen. Pakistanische Beamte hatten die deutschen Geheimdienst-Leute am vorvergangenen Samstagmorgen aus ihrer Unterkunft geholt.

Noch während der Gespräche am Eingang des deutschen Hauses waren Übertragungswagen des pakistanischen Fernsehens vorgefahren. Nach mehreren Interventionen hochrangiger Vertreter der Bundesregierung hatten sich die Pakistaner schließlich damit einverstanden erklärt, die Agenten ausfliegen zu lassen. Eine vom BND gecharterte Maschine brachte das Trio am folgenden Tag zurück nach Deutschland.

Der Vorwurf der Pakistaner, die BND-Leute hätten unautorisiert spioniert, ist offensichtlich vorgeschoben: Die drei Deutschen waren ordnungsgemäß sowohl beim pakistanischen Geheimdienst ISI als auch beim Außenministerium als BND-Mitarbeiter akkreditiert und besaßen Diplomatenpässe.

Der Geschäftsträger der pakistanischen Botschaft in Deutschland, der nach dem Vorfall ins Auswärtige Amt gebeten wurde, sprach von einem möglichen Missverständnis. Daran glaubt in der Bundesregierung allerdings niemand. Für den Vorwurf der Pakistaner, die Geheimdienstler hätten sich als Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ausgegeben, gibt es nach deutschen Angaben keine Hinweise.

jus