Pakistan Sicherheitskräfte sollen Terroristen-Camp eingenommen haben

Mögliche Reaktion auf US-Forderungen: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters haben pakistanische Sicherheitskräfte ein Camp der Lashkar-i-Toiba angegriffen. Der Gründer der Terrororganisation - dessen Auslieferung von Indien verlangt wird - kann sich aber frei bewegen.


Hamburg - Pakistanische Sicherheitskräfte sollen ein Camp der Gruppe Lashkar-i-Toiba eingenommen haben, deren Mitglieder von Indien verdächtigt werden hinter den Anschlägen von Mumbai zu stecken. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf einen Augenzeugen und einen Offiziellen einer der Lashkar-i-Toiba nahestehenden gemeinnützigen Organisation.

Brennendes Taj-Mahal-Hotel in Mumbai: Indien verdächtigt Mitglieder der Gruppe Lashkar-i-Toiba der Anschläge
AFP

Brennendes Taj-Mahal-Hotel in Mumbai: Indien verdächtigt Mitglieder der Gruppe Lashkar-i-Toiba der Anschläge

Der Augenzeuge sagte Reuters, der Angriff hätte am Nachmittag in Shawai begonnen, einem Ort in der Nähe von Musaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils der Region Kaschmir. "Ich kenne keine Details, da die gesamte Gegend abgeriegelt war, aber ich hörte zwei laute Explosionen am Abend, nachdem ein Helikopter des Militärs gelandet war", sagte Nisar Ali.

Ein Offizieller der Gruppe Jamaat-ud-Dawa, die nach eigenen Angaben ausschließlich gemeinnützige Arbeit macht, von den USA aber als Terrororganisation gelistet wird, bestätigte ebenfalls einen Angriff: "Es passierte diesen Nachmittag, Sicherheitskräfte nahmen das Camp ein." Einige Kämpfer der Lashkar-i-Toiba seien festgenommen worden, erklärte der Offizielle.

Die Aktion könnte eine Reaktion auf Forderungen der US-Außenministerin Condoleezza Rice sein, die Pakistan vor wenigen Tagen zu größerem Einsatz gegen den Terror gedrängt hatte. Sie hatte betont, Pakistan müsse selbst entscheiden, wie es auf Extremismus reagiere. "Es muss lediglich eine robuste und effiziente Antwort sein", sagte Rice.

Von Indien Verdächtigter kann sich in Pakistan frei bewegen

Trotz der deutlichen Worte der US-Außenministerin kann sich der Gründer der Gruppe Lashkar-i-Toiba und heutige Chef der Jamaat-ud-Dawa, Hafeez Sayeed, aber offenbar weiterhin frei im pakistanischen Lahore bewegen. Vergangenen Freitag hielt er vor 10.000 Anhängern einen Vortrag, bewacht von drei bewaffneten Männern. Das berichtet die "Chicago Tribune". Sayeeds Name steht auf einer Liste von Terrorverdächtigen, deren Auslieferung Indien von Pakistan nach den Anschlägen von Mumbai fordert.

Moslems sollten weder Blutvergießen noch die eigene Opferung für den Islam fürchten, soll der in der Vergangenheit schon mehrfach unter Hausarrest gestandene Sayeed laut einem pakistanischen Journalisten am Freitag seinen Zuhörern gesagt haben. Eine Verwicklung der Jamaat-ud-Dawa in die Anschläge von Mumbai wies er zurück.

fsc/Reuters



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