SPIEGEL ONLINE

Massaker an Schule in Pakistan Tag des Terrors

Die Taliban stürmen eine Schule in Pakistan, mehr als 140 Menschen sterben, darunter mindestens 132 Kinder. Was sind die Hintergründe der Tat? Wie reagiert der Westen? Die Multimedia-Übersicht.

So begann die Attacke:

Angreifer haben am Dienstag eine vom Militär betriebene Schule in der pakistanischen Stadt Peschawar gestürmt. In den ersten Meldungen, die Deutschland um 8 Uhr morgens erreichen, ist zunächst nur von zwei getöteten Schülern die Rede.

Später wird klar: Etwa 500 Schüler und Lehrer wurden als Geiseln genommen, mindestens 141 Menschen sterben. Unter den Opfern sind offenbar 132 Kinder. Das sagte Pervez Khattak, Chef der Provinzregierung in Peschawar. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen Prüfungen in der Aula stattgefunden haben. "Sie haben sofort angefangen, mit automatischen Waffen zu schießen", sagte ein Schüler, der fliehen konnte.

SPIEGEL ONLINE

Das fordern die Terroristen:

"Wir wollten uns am Militär rächen, weil es uns und unsere Familien bekämpft", erklärte ein Taliban-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Deswegen sei das Ziel bewusst ausgewählt worden: eine von der Armee betriebene Schule, die von Kindern von Soldaten besucht werde. "Sie machen selbst vor unseren Frauen nicht Halt. Jetzt sollen sie unseren Schmerz am eigenen Leib spüren."

Die Schule liegt in Peschawar im Nordwesten Pakistans. Es handelt sich um eine Militärschule.

Die Schule liegt in Peschawar im Nordwesten Pakistans. Es handelt sich um eine Militärschule.

Foto: Google Earth/ DigitalGlobe

Schon einmal gingen die Taliban gegen ein Kind vor. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen: das Attentat auf Malala Yousafzai im Oktober 2012, das sie schwer verletzt überlebte. Dass das Mädchen nun mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, empfinden sie als Demütigung.

So reagiert die Welt:

Der Inder Kailash Satyarthi, der zusammen mit Yousafzai den Nobelpreis erhielt, twitterte, die Regierung müsse alle möglichen Schritte unternehmen, um Schüler und Schulen vor Gewalt zu schützen.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Taliban-Angriff scharf: "Die Geiselnahme und Ermordung von Kindern übertrifft in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte", erklärte Steinmeier. "Wir trauern mit dem pakistanischen Volk um die Opfer dieses blutigen Terroranschlags." Auch der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich entsetzt:

"Indem sie bei dieser abscheulichen Attacke Schüler und Lehrer zur Zielscheibe gemacht haben, haben die Terroristen erneut gezeigt, wie verdorben sie sind", sagte Barack Obama. Der US-Präsident bekräftigte die Unterstützung der USA für die pakistanische Regierung im Kampf gegen den Terrorismus.

So beendeten die Sicherheitskräfte den Anschlag:

Nach fünf Stunden gelang es Militär und Polizei, die Taliban-Extremisten zu überwältigen.

Alle Angreifer seien tot, teilten das Militär und die Polizei mit. Über die genaue Anzahl der beteiligten Taliban-Kämpfer gibt es unterschiedliche Angaben, sie schwanken zwischen sechs und neun Extremisten. Das Gebäude sei nun gesichert, hieß es.

Die getöteten Schüler sollen zwischen 12 und 16 Jahren alt gewesen sein. Weitere 122 Menschen sind laut Behörden verletzt worden.

Foto: SPIEGEL ONLINE
vek
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.