Pakistan Taliban nehmen Hunderte Schüler als Geiseln

Kämpfer der Taliban haben eine Schule in Pakistan gestürmt. Mindestens 25 Kinder, eine Lehrerin und ein Soldat wurden getötet. Hunderte Schüler und Lehrer befinden sich in der Gewalt der Terroristen.

DPA

Peschawar - Talibankämpfer haben in der pakistanischen Stadt Peschawar eine Schule gestürmt. Sie sollen etwa 500 Schüler und Lehrer in ihre Gewalt gebracht haben.

Nach Angaben der Polizei sollen mindestens sechs Bewaffnete in das Schulgebäude eingedrungen sein. Bei einem Schusswechsel wurden nach Angaben eines örtlichen Krankenhauses Schüler getötet und 45 weitere verletzt. Auch eine Lehrerin und ein Soldat wurden bei einem Gefecht mit den Angreifern getötet. Angeblich seien auch zwei Talibankämpfer getötet worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Neun Schüler und zwei Lehrer sollen sich in kritischem Zustand befinden.

Krankenwagen in Peschawar: Viele Schwerverletzte
REUTERS

Krankenwagen in Peschawar: Viele Schwerverletzte

Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen, die sich auf dem Gelände ereignet haben sollen. Das Schulgebäude soll schwer beschädigt worden sein.

Die Terroristen sollen den Teil der Schule gestürmt haben, in dem Grundschüler von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden, heißt es aus Sicherheitskreisen in Peschawar. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen Prüfungen in der Aula stattgefunden haben. "Sie haben sofort angefangen, mit automatischen Waffen zu schießen", sagte ein Schüler, der fliehen konnte.

Taliban schicken Scharfschützen und Selbstmordattentäter

Die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) hat die Verantwortung für den Angriff übernommen. "Wir haben Scharfschützen und Selbstmordattentäter in dem Gebäude", sagte TTP-Sprecher Muhammad Khorasani. Die Kämpfer hätten die Anweisung erhalten, die älteren Schüler zu erschießen, "aber keine Kinder". Der Angriff sei eine Reaktion auf die Militäroffensive der pakistanischen Armee gegen die Taliban, sagte Khorasani. Augenzeugen berichten, dass einige Terroristen Armeeuniformen getragen haben sollen.

Nach Angaben des Militärs seien die Angreifer über einen Friedhof, der neben der Schule liegt, auf das Gelände gelangt.

Das pakistanische Militär betreibt die Schule in der nordwestpakistanischen Stadt. Die meisten Schüler sind Kinder von Armeeangehörigen. Offenbar wählten die Taliban deshalb dieses Ziel. Auch das Datum hat für Pakistan eine besondere Bedeutung: Am 16. Dezember 1971 kapitulierte die Armee, das Rückgrat des Staates, im Bangladesch-Krieg mit Indien.

Public Army School in Peschawar: Mindestens sechs Angreifer
Google Earth/ DigitalGlobe

Public Army School in Peschawar: Mindestens sechs Angreifer

Soldaten haben das Gelände umstellt. Einige Kinder konnten aus dem Schulgebäude fliehen. "Als wir nach draußen rannten, sahen wir die Leichen unserer Schulkameraden auf den Fluren liegen", sagte ein Augenzeuge der pakistanischen Zeitung "Dawn".

Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, sagte der Regierungschef. Sharif schickte seinen Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan nach Peschawar. Er soll dort die Befreiungsaktion überwachen. Verhandlungen mit den Geiselnehmern haben die Sicherheitskräfte ausgeschlossen.

syd/AFP/Reuters



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