Pakistan Taliban verhandeln angeblich mit Regierung über Frieden

Die pakistanischen Taliban verhandeln nach eigenen Angaben mit der Regierung über einen Frieden. Eine offizielle Bestätigung aus Islamabad gibt es bislang nicht - in den USA dürften die Berichte für Irritationen sorgen.


Islamabad - Die Taliban in Pakistan haben nach Angaben eines ranghohen Kommandeurs Friedensgespräche mit der Regierung des Landes aufgenommen. Das melden übereinstimmend die Nachrichtenagenturen Reuters und AP.

Die Verhandlungen befänden sich noch in einem Anfangsstadium und konzentrierten sich zunächst auf die Region Südwaziristan an der Grenze zu Afghanistan, sagten ein Taliban-Kommandeur und Vermittler der Nachrichtenagentur Reuters. Am Ende der Gespräche könne eine umfassende Friedenslösung für alle Stammesgebiete in der Region stehen. Die Taliban stellen dem Kommandeur zufolge mehrere Bedingungen, darunter die Freilassung von Gefangenen. "Wir werden sehen, ob es einen Durchbruch gibt", sagte der Taliban-Kommandeur, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die pakistanische Regierung war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein paschtunischer Stammesvertreter, der als Unterhändler in den Gesprächen fungiert, bezeichnete die Verhandlungen als "sehr schwierig". In den vergangenen beiden Monaten habe es drei Gesprächsrunden gegeben - aber offenbar ohne greifbares Ergebnis.

Die Gespräche dürften in den USA, die die pakistanische Regierung mit Milliarden von Dollar im Kampf gegen den Extremismus und die wirtschaftliche Misere unterstützen, auf Missfallen stoßen. Die USA haben die pakistanischen Taliban, die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), als terroristische Gruppe eingestuft.

Zehn Soldaten sterben bei Rebellenangriff

Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan haben sich nach der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden durch US-Spezialeinheiten im Mai erheblich verschlechtert. Bin Laden war in Pakistan aufgespürt worden, wo er vermutlich jahrelang unbehelligt gelebt hatte. Die pakistanische Regierung hatte erklärt, nichts von Bin Ladens Aufenthaltsort gewusst zu haben. Die TTP ist mit den afghanischen Taliban verbündet, die gegen die US-geführten Nato-Truppen am Hindukusch kämpfen. Sie haben ihre Hochburgen im Grenzgebiet zu Afghanistan.

Nach dem Tod Bin Ladens hatten die pakistanischen Taliban mit Anschlägen auf westliche Ziele gedroht. Bisherige Friedensabkommen mit der TTP hatten die davon erhoffte Stabilität für die Region nicht gebracht. Im Gegenteil: Sie gaben den Taliban Zeit, neue Anschläge vorzubereiten und ihren Einfluss auf die Bevölkerung auszuweiten. Die TTP besteht seit 2007 und wird für zahlreiche Selbstmordanschläge in Pakistan verantwortlich gemacht. Ihr Gründer Baitullah Mehsud wurde 2009 bei einem US-Drohnenangriff im Nordwesten Pakistans getötet.

Neue Gewalt ereignete sich in der Nacht zum Montag: Aufständische haben einen Konvoi der pakistanischen Grenztruppen in der Unruheprovinz Balutschistan angegriffen, mindestens zehn Soldaten starben. Wie aus Sicherheitskreisen in der Region verlautete, wurden die Fahrzeuge in der Nacht mit Panzerfäusten und Maschinengewehren attackiert. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und die Rebellen in ein mehrstündiges Feuergefecht verwickelt. Über Opfer auf Seiten der Angreifer wurde zunächst nichts bekannt.

Gegenüber pakistanischen Reportern bekannte sich ein Sprecher der separatistischen Befreiungsarmee Belutschistans (BLA) zu dem Angriff. Die BLA und weitere bewaffnete Gruppen kämpfen in der an Bodenschätzen reichen Provinz seit Jahren gegen die pakistanischen Sicherheitskräfte. Ihre Forderungen reichen von der Unabhängigkeit der Region über mehr Autonomie bis zu einer größeren Beteiligung an den Gewinnen aus der Öl- und Gasförderung.

anr/dpa/Reuters/AP



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