Pakistan Angreifer stürmen Polizeischule - Dutzende Tote und Verletzte

Im Südwesten Pakistans haben drei Bewaffnete in einer Polizeiakademie um sich geschossen, mindestens 60 Menschen starben. Laut Berichten hat sich der "Islamische Staat" zu dem Angriff bekannt.


Bei einer Attacke auf eine Polizeischule im Südwesten Pakistans sind mindestens 60 Menschen getötet worden. Das sagte ein Polizeibeamter der Provinzhauptstadt Quetta, Haseeb Ahmed. Mehr als 120 Menschen wurden demnach verletzt. Die drei Angreifer seien tot: Zwei von ihnen zündeten nach Militärangaben ihre Sprengstoffwesten, der dritte sei erschossen worden.

Die Bewaffneten hatten das Gelände in der Nacht zu Dienstag gestürmt und um sich geschossen. Sie nahmen zahlreiche Kadetten der Polizeiakademie als Geiseln und verschanzten sich mit ihnen in dem Hauptgebäude. Sicherheitskräfte umstellten das Gelände und starteten schließlich eine Aktion zur Befreiung der Geiseln.

Der Angriff sei rund drei Stunden nach Eintreffen der Armee beendet worden, sagte der Leiter des Einsatzes, Generalmajor Sher Afgan. Er machte die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-e Jhangvi für die Tat verantwortlich. Während des Angriffs hätten die Täter in Kontakt mit "Aktivisten in Afghanistan" gestanden.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, der "Islamische Staat" (IS) habe sich zu der Tat bekannt. Ein Kommandeur der Terrormiliz habe am frühen Dienstagmorgen einen gut vernetzten pakistanischen Journalisten angerufen und mit weiteren Anschlägen gedroht.

Ein Polizeianwärter schilderte gegenüber Journalisten den Verlauf des Geschehens. "Ich habe drei Männer in Tarnanzügen gesehen, die Kalaschnikows trugen", sagte er. "Sie haben das Feuer eröffnet und sind in den Schlafsaal eingedrungen, ich bin über eine Mauer geklettert und habe mich in Sicherheit gebracht."

Die Akademie liegt etwa 20 Kilometer südlich von Quetta, der Hauptstadt Belutschistans. Die Provinz grenzt an Afghanistan und Iran, sie gilt als die größte, ärmste und unruhigste in Pakistan. Seit Jahren kämpfen dort verschiedene Rebellengruppen für politische Autonomie oder Unabhängigkeit sowie für größere Anteile an den Einnahmen aus der Öl- und Erdgasförderung.

International löste der Angriff Entsetzen aus. Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Anschlag. "Dem ganzen pakistanischen Volk sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus", so ein Sprecher. "Terroristen wollen Gesellschaften mit Gewalt und Hass spalten. Dieser perfiden Logik müssen und werden wir uns entschlossen entgegen stellen."

aar/dpa/AFP

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