Pakistan Über 60 Tote durch Krawalle in Karatschi

Brennende Autos und Geschäfte: In Pakistan nehmen die Unruhen kein Ende. Seit ein Provinzabgeordneter ermordet wurde, kamen in Karatschi im Süden des Landes bei Schießereien mindestens 62 Menschen ums Leben.

Brennendes Fahrzeug in Karatschi: Unruhen in Pakistan halten an
dpa

Brennendes Fahrzeug in Karatschi: Unruhen in Pakistan halten an


Karatschi - Immer wieder kommt es in der pakistanischen Metropole Karatschi seit der Ermordung eines Regierungspolitikers am Montag zu Krawallen. 62 Menschen wurden seit Montag bei den Unruhen getötet, etwa ein Dutzend in der Zeit von Dienstagabend bis zum Tagesanbruch, wie Polizei und Behörden mitteilten. Zahlreiche Lastwagen, Pkw und Geschäfte wurden angezündet und verwüstet.

Auslöser der Ausschreitungen war die Ermordung des Politikers Raza Haider von der Partei MQM. Unbekannte hatten ihn und seinen Leibwächter am Montag bei einer Trauerfeier niedergeschossen. Die pakistanische Regierung machte die radikalislamischen Taliban sowie die verbotene Gruppe Sipah-e-Sahaba Pakistan (SSP) dafür verantwortlich.

Haiders Partei MQM (Muttahida-Quami-Movement) ist Koalitionspartner in der Zentralregierung und in der Provinzregierung in Sindh. Die Partei bekräftigte nach den Ereignissen ihre Forderung nach einem harten Vorgehen gegen Extremisten in dem Land. Nach jahrelangen Untersuchungen sei heute jedem klar, dass die beiden radikalen Gruppen Taliban und SSP in Karatschi seien, sagte ein Parteisprecher.

Der Angriff schürte auch Ängste vor neuen ethnisch und religiös motivierten Auseinandersetzungen in der größten Stadt des Landes. Experten gehen davon aus, dass sich viele Anhänger der Taliban nach dem massiven militärischen Vorgehen gegen die Gruppe im Nordwesten des Landes nach Karatschi geflüchtet haben.

Chef der Polizeitruppe in Peshawar getötet

Karatschi ist mit 18 Millionen Einwohnern das wirtschaftliche Herz des Landes. Hier befinden sich der wichtigste Hafen, die Zentralbank Pakistans und die Börse. Die Stadt war in der Vergangenheit oft das Ziel von Extremisten, insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Damals hatte sich Pakistan offiziell als Verbündeter der USA deren Kampf gegen den Terrorismus angeschlossen. Auch Ausländer wurden mehrfach zum Ziel von Angreifern.

In der pakistanischen Stadt Peshawar sind bei einem Selbstmordanschlag derweil vier Menschen getötet worden, darunter der Chef der 25.000 Mann starken paramilitärischen Grenzpolizei Pakistans. Elf Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als sich der Attentäter am Mittwoch in der Nähe eines Marktes in die Luft sprengte.

Neben dem Leiter der Polizeitruppe, Sifwat Ghayur, kamen seine drei Leibwächter ums Leben. Ghayur ist eines der ranghöchsten Mitglieder der Sicherheitskräfte, das einem Terroranschlag zum Opfer fiel. Der Attentäter war laut Polizei zu Fuß unterwegs und wartete an einer Ampel auf Ghayurs Wagen. Die pakistanischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. In Peshawar wurden Ende vergangenen Jahres etliche Bombenanschläge verübt, in den vergangenen Monaten war es jedoch vergleichsweise ruhig.

luk/Reuters/apn



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