Pakistan US-Terroristenjäger glaubt an baldige Festnahme Bin Ladens

Geht der "Scheich" seinen Häschern bald ins Netz? Cofer Black, Koordinator der amerikanischen Terrorabwehr im State Department, soll gegenüber pakistanischen Journalisten entsprechende Bemerkungen gemacht haben. Dem US-Präsidenten George W. Bush käme das kurz vor der Wahl sehr gelegen.


Terrorpate Bin Laden: Bald im Gefängnis?
AP / Al Jazeera via APTN

Terrorpate Bin Laden: Bald im Gefängnis?

Berlin - Journalisten der pakistanische Tageszeitungen "Dawn" und "The Nation" hatten Black in einem Pressegespräch in Islamabad gefragt, ob man der Verhaftung Osama bin Ladens näher gekommen sei. Black habe daraufhin mit "Ja" geantwortet, schrieben beide englischsprachigen Blätter. Der Koordinator für Terrorabwehr hatte sich zu Gesprächen in Islamabad aufgehalten und anschließend auf einem Pressebriefing Fragen von pakistanischen Reportern beantwortet.

"Es könnte morgen passieren, übermorgen, in einer Woche oder einem Monat," sagte Black den Journalisten. "Ein kleines bisschen" sei noch nötig, um "diese Leute" zu lokalisieren und zu fangen, wurde Black in den Zeitungen zitiert. Der Chef des Terrornetzwerks al Kaida wird im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan vermutet. Seit der Schneeschmelze im April in den Bergen läuft dort eine umfangreiche Offensive amerikanischer, afghanischer und pakistanischer Truppen, um die dort noch immer aktiven Taliban zu besiegen - und endlich bin Laden zu fangen.

In den vergangenen Monaten war den pakistanischen Sicherheitsbehörden immer wieder spektakuläre Schläge gegen das Terrornetzwerk gelungen. Führende al-Kaida Mitglieder wurden gefangen und an die USA ausgeliefert. Kritiker glauben an eine bewusste Erhöhung des Fahndungsdrucks in zeitlicher Nähe zu den Präsidentenwahlen in den USA. Die US-Zeitschrift "The New Republic" hatte im Sommer einen Artikel entsprechenden veröffentlicht und behauptet, ein hoher US-Beamter habe von Pakistan in Islamabad verlangt, im Sommer 2004 al-Kaida-Kader "abzuliefern".

Erst vor wenigen Wochen war den Fahndern in Pakistan Achmed Khalfan Ghailani ins Netz gegangen, der für die Anschläge auf US-Botschaften in Ostafrika 1998 verantwortlich sein soll. Außerdem wurden mehrere mittlere Funktionäre der Kaida festgesetzt.

Black hatte jetzt bei seinem Aufenthalt die pakistanische Regierung angeblich um mehr Hubschrauber und Truppen im Grenzgebiet gebeten. Pakistan hat nach eigenen Angaben etwa 70.000 Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan stationiert. Am Willen Pakistans, bin Laden und seine Verbündeten tatsächlich zu fangen, war lange gezweifelt worden. Vor allem die Regierung in Kabul hatte Islamabad oft wegen unterlassener Aktionen und der Duldung terroristischer Aktivitäten kritisiert.



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