Pakistan Viele Tote bei Anschlag vor dänischer Botschaft

Mindestens acht Tote und 20 Verletzte: Das ist die verheerende Bilanz eines Anschlags mit einer Autobombe vor der dänischen Botschaft in Islamabad. Das Attentat hinterließ einen zwei Meter breiten Krater. Möglicherweise steht es im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen.


Islamabad - Die Zahl der Opfer des Anschlags steigt weiter. Zunächst war von drei Toten die Rede gewesen. Jetzt heißt es, acht Menschen seien gestorben und 20 verletzt worden. Der Chef des staatlichen Rettungsdienstes in der pakistanischen Hauptstadt, Asmatullah Marwat, sagte, unter den Leichen sei die eines Ausländers. Zudem sei ein pakistanischer Mitarbeiter der Botschaft ums Leben gekommen, teilte der dänische Außenminister Per Stig Møller am Mittag in Kopenhagen mit.

Vor der dänischen Botschaft: Die Bombe verwüstete ein weites Areal
AFP

Vor der dänischen Botschaft: Die Bombe verwüstete ein weites Areal

Möglicherweise steigt die Zahl der Toten noch weiter an, denn von den Verletzten sollen dem pakistanischen Fernsehen zufolge 15 in Lebensgefahr schweben.

Ein Polizist sagte, jemand habe ein Auto vor der Botschaft geparkt, das gegen 13 Uhr (Ortszeit) explodiert sei. Augenzeugen berichten von schlimmen Verwüstungen vor dem Botschaftsgebäude. Ein dpa-Reporter meldete, die Vorderseite des Hauses und mehrere Autos seien schwer beschädigt worden. Die gewaltige Explosion habe einen Krater mit mehr als zwei Metern Durchmesser in die Straße gerissen. Die Wucht der Detonation brachte eine Außenwand zum Einsturz, das Metalltor wurde nach innen gedrückt.

Nach Polizeiangaben handelte es sich um eine Autobombe. Unklar ist noch, ob es ein Selbstmordanschlag war.

Bisher hat sich noch niemand zu der Tat bekannt. Ähnliche Anschläge in Pakistan waren in der Vergangenheit von radikalislamischen Terrorgruppen verübt worden. Sicherheitskräfte riegelten den Anschlagsort ab.

Möglicherweise steht das Attentat im Zusammenhang mit den in Dänemark veröffentlichten umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed. Ein Geheimdienstmitarbeiter sagte, es habe deshalb in den vergangenen Monaten Hinweise auf einen möglichen Angriff auf die dänische Botschaft gegeben. Die erstmals Anfang 2006 und erneut im vergangenen Februar in dänischen Medien veröffentlichten Zeichnungen des Propheten Mohammed hatten besonders in Pakistan zu heftigen Protesten geführt.

Norwegen evakuierte seine wenige hundert Meter von der dänischen Vertretung gelegene Botschaft nach dem Anschlag. Das berichtete der Rundfunksender NRK ohne Angabe von Einzelheiten. Die dänische Botschaft war nach den ersten Veröffentlichungen aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen worden.

Dänemarks Außenministerium rät allen Bürgern von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Pakistan ab. Eine entsprechende Änderung der bisherigen Reiseempfehlungen wurde kurz nach Bekanntwerden des Anschlags veröffentlicht. Außenminister Møller verurteilte die Tat. Man habe es hier mit "Fanatikern und Terroristen zu tun und muss einfach zusehen, dass man sich so gut wie irgend möglich beschützt", meinte der Minister im Fernsehsender TV2 News.

Die dänische Botschaft liegt in einem reichen, gesicherten Wohngebiet in Islamabad - nicht im abgeriegelten Diplomatenviertel, wo unter anderem die deutsche Botschaft ihren Sitz hat. In der Nähe der dänischen Botschaft liegen auch Büros der Vereinten Nationen.

ler/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.