Pakistan Viele Tote bei mutmaßlichem US-Raketenangriff auf Qaida-Versteck

Mutmaßlicher US-Raketenangriff im Nordwesten Pakistans: Nach Angaben pakistanischer Geheimdienstkreise wurden bei einem Anschlag auf ein Qaida-Versteck mindestens 27 militante Islamisten getötet.


Islamabad - Die Informationen stammen vom pakistanischen Geheimdienst: Demnach sind am Samstag bei einem mutmaßlichen US-Raketenangriff im Nordwesten des Landes mindestens 27 militante Islamisten getötet worden, andere Agenturen berichteten von 30 Todesopfern. Die sogenannte Drohne habe ein Haus in dem Dorf Shrawangai Nazarkhel zerstört, in dem sich ein pakistanischer Taliban-Führer und zahlreiche Gefolgsleute aufgehalten hätten.

Mit dem pakistanischen Taliban-Chef Baitullah Mehsud seien dabei auch 15 militante Usbeken und mehrere afghanische Taliban getötet worden. Taliban hätten die Ruine umstellt und die Toten und Verwundeten mit mehreren Fahrzeugen abtransportiert, hieß es weiter.

"Durch den Raketenbeschuss wurde das festungsartige Haus in Shrawangai dem Erdboden gleichgemacht", sagte ein Mitarbeiter des Geheimdienstes. Unter dem Schutt wurden weitere Opfer vermutet. In dem Gebäude hätten sich mindestens 50 Militante zu einem Treffen versammelt.

Das Dorf liegt nahe der afghanischen Grenze und gilt als Versteck und Rückzugsgebiet für Qaida-Terroristen und Kämpfer der Taliban, die von dort die US-geführten Truppen jenseits der Grenze angreifen. In der Region werden zudem die Qaida-Führer Osama bin Laden und Ajman al Sawahri vermutet. Die US-Streitkräfte haben seit vergangenem Juli vermutlich mehr als 30 derartige Angriffe im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet durchgeführt. Die Führung des Terrornetzwerks al-Qaida sei dadurch erheblich geschwächt worden.

Die pakistanische Regierung hat gegen die Angriffe scharf protestiert und erklärt, bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilpersonen. Dem neuen amerikanischen Afghanistan-Gesandten Richard Holbrooke sagte sie bei seinem Besuch in Islamabad Anfang der Woche, bei den Angriffen würden zu viele Zivilpersonen getötet und das untergrabe ihre Strategie gegen Aufständische in der Region.

Künftig soll sich ein Sonderbeauftragter des Auswärtigen Amtes um die Krisenherde in Afghanistan und Pakistan kümmern und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten koordinieren. Nach SPIEGEL-Informationen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bereits den deutschen Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg, für den Posten benannt. Auf Bitten der US-Regierung solle der 65-Jährige in Berlin als Ansprechpartner für den neuen amerikanischen Sondergesandten Richard Holbrooke fungieren.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte am Samstag in Berlin die Überlegungen zur Berufung eines Sondergesandten, eine formelle Ernennung stehe aber noch aus. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen.

Laut SPIEGEL plant Holbrooke offenbar die Einrichtung einer internationalen Kontaktgruppe für die Region. In den 90er Jahren hatten ähnliche Runden versucht, die Konflikte auf dem Balkan zu lösen. Nach Großbritannien sei Deutschland das zweite Land, das einen Partner für Holbrooke bereitstelle.

Steinmeier und Mützelburg kennen sich aus gemeinsamen Zeiten im Bundeskanzleramt. Dort war der Diplomat unter dem Kanzleramtschef Steinmeier bis 2005 drei Jahre lang Abteilungsleiter für Außen- und Sicherheitspolitik. Den Botschafterposten in Neu-Delhi lässt Mützelburg für seine neue Aufgabe nach SPIEGEL-Informationen ruhen.

jjc/AP/dpa/Reuters



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