Pakistan Warum Musharraf einsehen muss, dass er nicht ewig regieren kann

Pervez Musharraf solle zurücktreten, fordern Pakistaner seit der Suspendierung des Chef-Richters Anfang März. Das Ansehen des Staats- und Militärchefs in seinem Land schwindet immer mehr. Deshalb müsse der General abtreten, fordert der Autor Mohsin Hamid.


London - Ich war einer der wenigen Pakistaner, die bei dem Schein-Referendum von 2002 tatsächlich für General Pervez Musharraf gestimmt haben. Ich erinnere mich, in ein Wahllokal in Islamabad gegangen zu sein und keinen anderen Wähler gesehen zu haben. Als ich mir die Zeit nahm, die man brauchte, um den verworrenen Wahlzettel zu lesen, trat ein Mann an mich heran, der die überhebliche Haltung eines Soldaten hatte, obwohl er in ziviler Kleidung war. Er bestand darauf, dass ich mich beeile, was ich verweigerte. Dann kam er mir näher, beobachtete alles, was ich tat - unter völliger Mißachtung der Wahlregeln.

Trotz dieser Einschüchterung stimmte ich für den Vorschlag, dass General Musharraf, der 1999 mit einem Putsch and die Macht gekommen war, weitere fünf Jahre Pakistans Präsident bleiben sollte. Ich glaubte, dass seine Macht uns die dringend benötigte Stabilität gebracht habe, eine Ruhepause von den bestechlichen und selbstsüchtigen gewählten Politikern, die Pakistan in den neunziger Jahren falsch regiert hatten, und eine freiere und lebhaftere Presse, wie es sie noch nie in der Geschichte des Landes gegeben hat.

Das Ergebnis des Referendums - 98 Prozent Unterstützung für General Musharraf bei einer erstaunlichen Wahlbeteiligung von 50 Prozent - war so offensichtlich falsch, dass sogar er sich verpflichtet fühlte, sich von dem Vorgang zu distanzieren.

Schein-Wahlen tun weh, natürlich. Aber seitdem haben liberale Pakistaner wie ich viele Vorteile in General Musharrafs Regierung gesehen. Meine Ehefrau war eine Schauspielerin in "Jutt und Bond", eine beliebte pakistanische Sitcom über einen Punjabi-Volkshelden und einen sorglosen britischen Agenten. Ihre Sendung lief auf einer der vielen privaten Fernsehstationen, denen erlaubt worden war, im Land zu senden, und die alles von lokaler Rockmusik bis zu einer Talkshow, dessen Moderator ein Transvestit ist, bringen.

Meine Schwester, eine Journalistikdozentin in Lahore, erzählt mit gern, dass der Universitäts-Etat, die Wissenschaftlergehälter und die Zahl der Studienanfänger enorm zugenommen haben. Und mein Vater, jetzt im Ruhestand, aber die meiste Zeit seiner Karriere ein Ökonomieprofessor, sagt, er habe nie solch eine dynamische und aufregende Zeit in Pakistans Hochschulwesen gesehen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wurde immer größer

Aber es gab unter General Musharraf auch große Probleme. Pakistans Kluft zwischen den recht urbanen und wohlhabenden Regionen, die an Indien grenzen, und den eher ländlichen, konservativen und gewalttätigen Gegenden, die in der Nähe von Afghanistan liegen, wurde größer. Die beiden etablierten politischen Parteien hatten in der Vergangenheit diese Kluft überbrückt und in freien Wahlen religiöse Extremisten mit großem Abstand geschlagen. Aber unter General Musharraf, in einem System, das nur einen Mann für die Führung vorsieht, wurden sie an den Rand gedrängt.

Viele von uns hofften, dass General Musharraf die vernachlässigten Institutionen des Landes aufbauen würde, bevor er schließlich die Macht an einen demokratisch gewählten Nachfolger übergibt. Diese Hoffnungen bekamen Anfang März einen erheblichen Schlag, als er den Chef-Richter des pakistanischen Obersten Gerichtshofs, Iftikhar Mohammad Chaudhry, suspendierte.



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