Pakistan Gewalt bei Räumung von Islamisten-Camp

Mit einem Sitzstreik wollten islamistische Hardliner in Pakistan Druck auf die Regierung machen. Es geht um eine Eidesformel für Parlamentarier. In zahlreichen Städten kam es zu Protesten.
Proteste gegen Pakistans Regierung

Proteste gegen Pakistans Regierung

Foto: STRINGER/ REUTERS

Pakistan setzt wegen der gewaltsamen Proteste islamistischer Aktivisten nun auch die Armee ein. Soldaten sollten den zivilen Institutionen dabei helfen, Sicherheit und Ordnung wieder herzustellen, erklärte das Innenministerium am Samstag.

Bei der Räumung eines Protestlagers religiöser Aktivisten vor den Toren der pakistanischen Hauptstadt Islamabad war es zuvor zu Gewaltszenen gekommen. Polizisten und paramilitärische Kräfte gingen am Samstag mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor, die ihre Blockade einer wichtigen Einfallstraße nach Islamabad nicht fristgerecht um Mitternacht geräumt hatten, wie Behörden mitteilten.

Ein ranghoher Polizeichef wies aber Berichte zurück, wonach ein Polizist bei den Zusammenstößen ums Leben gekommen sein soll. Mindestens drei Polizeiautos gingen den Angaben zufolge in Flammen auf. Mehr als 147 Menschen wurden nach Angaben des Instituts für Medizinwissenschaften verletzt, darunter Polizisten und Demonstranten.

Inzwischen weiteten sich die Proteste auch auf die beiden Großstädte Lahore und Karachi sowie auf eine Reihe kleinerer Städte im ganzen Land aus. Versuche der Regierung, die Blockade durch Verhandlungen aufzulösen, waren zuvor gescheitert. Das oberste Gericht hatte am Dienstag die Räumung angeordnet.

Fernsehberichte gestoppt

Bei dem Einsatz waren mehr als 8000 Kräfte vor Ort. Szenen der Operation wurden zunächst live in privaten TV-Sendern übertragen, aber dann abgebrochen. Die Rundfunkaufsicht des Landes bestätigte Berichte, wonach Premierminister Shahid Khaqan Abbasi angeordnet habe, alle Live-Berichte in den privaten Sendern zu stoppen.

Seit dem 8. November hatten etwa 1500 Mitglieder der Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah (TLYRAP) mit der Blockade versucht, die Amtsenthebung von Justizminister Zahid Hamid zu erreichen. Sie werfen ihm Gotteslästerung vor: Er habe den Text des Eides, den Parlamentarier ablegen müssen, abgeändert und damit den harten Kurs gegenüber der Minderheit der Ahmadis aufgeweicht.

Ahmadis sind eine islamische Sondergemeinschaft, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. TLYRAP kritisiert, Hamids Schritt solle ihre Beteiligung an Wahlen ermöglichen. Beobachter monieren, die Untätigkeit der Regierung in dem Streit habe dazu geführt, dass ein kleinerer Konflikt sich zu einer möglicherweise gefährlichen Situation ausgeweitet habe.

chs/dpa/AFP
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