Pakistan Gericht stellt Ex-Diktator Musharraf unter Hausarrest

Einen Tag nach seiner spektakulären Flucht aus dem Gericht ist Pakistans Ex-Diktator Pervez Musharraf festgenommen worden. Die Polizei eskortierte ihn zurück ins Gerichtsgebäude, wo der frühere Armeechef dann unter Hausarrest gestellt wurde.
Pakistans Ex-Präsident Musharraf (im März): Unter Hausarrest gestellt

Pakistans Ex-Präsident Musharraf (im März): Unter Hausarrest gestellt

Foto: ATHAR HUSSAIN/ REUTERS

Islamabad - Die Polizei hat den früheren pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf auf dessen Anwesen festgenommen. Sicherheitskräfte verhafteten ihn in der Nacht auf Freitag in seinem Landhaus am Stadtrand der Hauptstadt Islamabad. Musharrafs Anwalt erklärte, sein Mandant habe keinen Widerstand geleistet, sondern sich den Beamten gestellt. Fernsehbilder zeigten, wie der Ex-Diktator von Polizisten zum Gerichtsgebäude in Islamabad geleitet wurde.

Bereits am Donnerstag hatte das Gericht die Festnahme Musharrafs angeordnet - für den Angeklagten offenbar völlig überraschend. Er war vor Gericht erschienen, um zu erwirken, dass er weiterhin gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben darf. Doch der Richter entschied dagegen und ordnete seine Festnahme an.

Daraufhin flüchtete Musharraf mit Hilfe seiner Leibwächter aus dem Gerichtssaal in seine Residenz. Mehrere Fernsehsender filmten die Flucht. Vor dem Gericht standen Musharraf-Gegner und skandierten: "Da flüchtet der Diktator!" Vergeblich versuchten Polizisten, zu Musharraf durchzudringen und ihn zu verhaften, doch gegen die Bodyguards schienen sie machtlos.

Am Freitagmorgen erschien Musharraf nun erneut vor Gericht, der Richter stellte einen Haftbefehl aus. Anschließend wurde er zurück in sein Haus gefahren und dort unter Arrest gestellt. Das Gericht erklärte seinen Wohnsitz offiziell zu einem Gefängnis - für 48 Stunden. Dann soll er zum Prozessbeginn vor Gericht erscheinen. Musharraf nannte das Vorgehen der Justiz gegen ihn "politisch motiviert". Er werde sich dagegen wehren.

Musharraf droht im Falle einer Verurteilung der Galgen

Gegen den früheren Militärmachthaber laufen drei Verfahren, bei denen er bislang gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen ist. In dem jetzigen Prozess geht es um Ereignisse im Jahr 2007. Musharraf werden unter anderem ein Putsch und die Beteiligung an der Ermordung der Oppositionspolitikerin und zweimaligen Premierministerin Benazir Bhutto vorgeworfen. Außerdem wird ihm angelastet, 2007 den Notstand verfassungswidrig ausgerufen sowie die Obersten Richter unrechtmäßig abgesetzt zu haben.

Die Festnahme ist ein neuer Tiefpunkt für Musharraf, der im März aus dem knapp fünfjährigen selbsterwählten Exil zurückgekehrt war, um bei der Parlamentswahl im Mai zu kandidieren. Musharraf hofft, in Pakistan wieder eine führende Rolle übernehmen zu können. Doch seine Beliebtheit ist nicht sonderlich groß, aus seinem Team ist zu hören, er habe sich mehr Unterstützung aus der Bevölkerung erhofft.

Am Dienstag hatte ein Gericht wegen der Vorwürfe seine Kandidatur untersagt. Gegen dieses Urteil will Musharraf juristisch vorgehen. Er sitzt jedoch in der Falle: Pakistan darf er nicht mehr verlassen, seitdem ihn ein Gericht auf die Liste jener Personen gesetzt hat, die nicht mehr ausreisen dürfen. Beobachter rechnen damit, dass ihm im Falle einer Verurteilung möglicherweise die Todesstrafe droht.

fab/kaz/AP/Reuters
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